Forschungsgruppe

Die Forschungsgruppe des Botanischen Gartens unter der Leitung von Prof. Kozlowski untersucht verschiedene Aspekte der Naturschutzbiologie und der Biogeographie gefährdeter und endemischer Pflanzenarten sowie von Reliktpflanzen. Der Hauptgegenstand der Studien und die Modelltaxa sind Reliktgehölze mit disjunktiver Verbreitung, wobei der Schwerpunkt auf den Gattungen Zelkova (Ulmaceae), Pterocarya (Juglandaceae) und Quercus (Fagaceae) liegt. Die Forschungsgruppe von Prof. Kozlowski koordiniert die Aktivitäten des internationalen und interdisziplinären Netzwerks von Reliktbaum-Projekten, an denen über 30 Forschende aus rund 15 Ländern beteiligt sind.

Weitere Forschungsarbeiten beschäftigen sich mit den Evolutionsprozessen, den biogeographischen Modellen und der Naturschutzbiologie von aquatischen und alpinen Pflanzen auf regionaler und globaler Ebene, wie beispielsweise die Kleine Teichrose (Nuphar pumila, Nymphaeaceae) oder Mohngewächse (Papaver sp., Papaveraceae).

Auf internationaler Ebene arbeitet die Forschungsgruppe eng mit dem Botanischen Garten von Shanghai in China zusammen.

Für mehr Informationen, siehe Zelkova.ch

Forschungsprojekte

Naturschutzbiologie und Biogeographie von Reliktbäumen mit disjunktiver Verbreitung (Projekte Zelkova, Ulmaceae und Pterocarya, Juglandaceae)

Das Hauptziel dieses internationalen Projekts ist die Untersuchung und die Erhaltung der Gattungen Zelkova (Ulmaceae) und Pterocarya (Juglandaceae) sowie weiterer Reliktbäume, die in vergangenen geologischen Epochen in ganz Europa weit verbreitet waren. Heute wachsen einige dieser Arten nur noch an einzelnen Orten wie auf Kreta (Z. abelicea) oder in Sizilien (Z. sicula).

Die Reliktbäume sind Zeugen vergangener Zeiten. Als solche sind sie ein besonders interessanter und wichtiger Forschungsgegenstand für Biogeographen, Paläontologen und Spezialisten auf dem Gebiet des Arten- und Naturschutzes.

Naturschutzbiologie und Phylogeographie von alpinen und arktischen Mohnarten (Papaver sp., Papaveraceae)

Der Westliche Alpenmohn (Papaver occidentale) ist mit seinen weissen Blüten, die inmitten der kalten und steilen Geröllhängen gut sichtbar sind, ein Wahrzeichen der Voralpen. Dieses Glazialrelikt gehört zur grossen Gruppe des Alpenmohns (P. alpinum), die rund fünfzig Arten umfasst, die in den arktischen Regionen der nördlichen Hemisphäre oder in den Hochgebirgen Eurasiens oder Nordamerikas endemisch sind.

Im Zuge der Klimaerwärmung sind diese Arten stark vom Aussterben bedroht. Der Kanton Freiburg trägt eine grosse Verantwortung, was den Schutz des Westlichen Alpenmohns anbelangt. Die Forschenden versuchen, die Herkunft und die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Westlichen Alpenmohn und den Arten der Sektion Meconella zu ermitteln, bevor diese Art aufgrund des Klimawandels verschwindet (Modellrechnungen zufolge).

Populationsgenetik und Verbreitung der Arve (Pinus cembra, Pinaceae) in den westlichen Voralpen

Die Arve ist eine boreale Reliktpflanze der europäischen Flora. Im Kanton Freiburg bildet dieser Baum nur äusserst selten Reinbestände und die Arvenwälder gehören zu den seltensten Waldgesellschaften der westlichen Voralpen. Diese vereinzelten Populationen besitzen ein enormes Potenzial in Bezug auf die Biogeographie und die Erhaltung, aber der natürliche Charakter dieser Populationen muss nach der Pflanzung von hunderttausenden Setzlingen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erst noch bestätigt werden.

Naturschutzbiologie der Kleinen Teichrose (Nuphar pumila, Nymphaeceae), Reliktart

Die Verbreitung der Kleinen Teichrose (Nuphar pumila) ist in ganz Europa und insbesondere in der Schweiz stark rückläufig. Dies ist vor allem auf die Hybridisierung mit ihrer nahen Verwandten, der Gelben Teichrose (Nuphar lutea), zurückzuführen. In Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen untersucht der Botanische Garten Freiburg die Mechanismen dieser Hybridisierung, um Erhaltungsmassnahmen zum Schutz dieser seltenen Wasserpflanzenart vorzuschlagen.

Naturschutzbiologie von gefährdeten Eichenarten (Quercus sp., Fagaceae) in den Bergnebelwäldern Chinas und Südostasiens

Seit fast 10 Jahren erforscht der Botanische Garten der Universität Freiburg gefährdete Pflanzen im ostasiatischen Raum, insbesondere in China. 2020 ist diese Zusammenarbeit mit China eine neue, intensivere Phase eingetreten. Gregor Kozlowski (Direktor des Botanischen Gartens) wurde ab dem 1. Juli 2020 zum ausserordentlichen Professor am Forschungszentrum des Botanischen Gartens von Shanghai ernannt. Diese ehrenvolle Nomination soll die Zusammenarbeit zwischen dem Botanischen Garten von Shanghai und der Universität stärken. Geplant sind gemeinsame Master- und Doktorarbeiten, ein Studierendenaustausch, internationale Forschungsprojekte, Forschungsreisen und die gemeinsame Publikation von Forschungsartikeln. Eines der ersten gemeinsamen Projekte ist die Forschung auf dem Gebiet der gefährdeten Eichen in Südchina (u.a. Quercus litseoides, Q. chungii, Q. arbutifolia).

Zusammenarbeit: Dr. Yi-Gang Song (Botanischer Garten von Shanghai, China).

Das Leben auf Reliktbäumen: Gehölze als Ökosysteme für andere Organismen

Bäume gehören zu den grössten Organismen, die bereits am längsten auf dem Planeten leben. Sie bieten Nahrung und Lebensraum für eine Unzahl von Mikroorganismen, Pilzen, Epiphyten, Wirbellose und Wirbeltiere. Das Projekt untersucht die Vielfalt bestimmter Gruppen von Organismen, welche verschiedene Reliktbäume besiedeln sowie die ökologische Rolle, welche diese Organismen in den Reliktwäldern spielen. Im Besonderen beschäftigt sich das Projekt mit Flechten, Moosen, Insekten und Milben, die auf der Zelkova abelicea auf Kreta (Griechenland) sowie der Pinus cembra und Acer pseudoplatanus in den Freiburger Voralpen leben.

Zusammenarbeit: Prof. Dariusz Gwiazdowicz (University of Life Sciences, Posen, Polen)