Forschungsbereiche

Der Fachbereich Soziologie, Sozialpolitik, Sozialarbeit inkl. Politikwissenschaft verfügt über verschiedene Forschungsschwerpunkte. Im Vordergrund von Sozialpolitik und Sozialarbeit stehen Massnahmen, die auf soziale Probleme reagieren und diese zu bewältigen versuchen. Als Grundlage dafür bieten wir soziologische Analysen folgender Problemfelder: soziale Ungleichheiten, Armut, Gesundheit, der Arbeitsmarkt, die Familie, Gender sowie Delinquenz, Gewalt, kulturelle Differenzen, soziale Netzwerke und Migration. Hinzu kommt vonseiten der Politikwissenschaft  die Erforschung des politischen und gesellschaftlichen Wandels in Osteuropa, insbesondere in den Balkanländern. Regionale Schwerpunkte des Fachbereichs sind die Schweiz, Europa, Lateinamerika, Afrika und Osteuropa. Entsprechend hoch ist der Stellenwert komparativer Analysen.

  • Soziale Ungleichheit und Armut

    Soziale Ungleichheit bezieht sich auf den dauerhaft ungleichen Zugang zu und die Verteilung von (materiellen und immateriellen) Ressourcen in allen Gesellschaften. Sie bestimmt die Teilhabechancen von Menschen an der Gesellschaft. Mechanismen und Prozesse zur Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheiten bleiben verschleiert, wenn wir uns ausschliesslich der Erforschung von Armut, Prekarität oder Diskriminierung zuwenden. In demokratischen Gesellschaften deutet die Frage, welche sozialen Ungleichheiten akzeptiert werden, an, in welcher Gesellschaft Menschen gerne leben möchten. Dementsprechend divergieren die Ansichten darüber, welche Kriterien bei der Verteilung von Ressourcen und Lebenschancen zu berücksichtigen sind, und inwiefern der Wohlfahrtsstaat mit politischen Massnahmen mithelfen sollte, soziale Ungleichheiten zu verringern.

    Der Forschungsschwerpunkt fokussiert auf sozialen Lebenslagen, Stratifikation, Prekarität, und Armut, aber auch Untersuchungen zu Ungleichheiten hinsichtlich Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Zeitpunkt im Lebensverlauf, Nationalität, ethnische Zugehörigkeit oder Religion. Nebst dem Fokus auf unterschiedliche Ursachen und Entwicklungen von sozialer Ungleichheit in verschiedenen Lebensbereichen (Existenzsicherung, Arbeit, Einkommen, Gesundheit, soziale Netzwerke und Zugehörigkeiten, Handlungsspielräume) in der Schweiz, ermöglichen komparative Ansätze vertiefte Erkenntnisse über institutionelle Ursachen sozialer Ungleichheiten.

  • Arbeit und Leben

    Das Historische Lexikon der Schweiz definiert Arbeit „als bewusster und zweckgerichteter Einsatz der körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte des Menschen zur Befriedigung seiner materiellen und ideellen Bedürfnisse“. Insbesondere die Erwerbsarbeit ist immer noch – direkt oder abgeleitet – das strukturbildende Element von Lebensverläufen und ein Kernbestandteil moderner Gesellschaften. Das Interesse in diesem Forschungsbereich liegt aber nicht ausschliesslich bei der Erwerbsarbeit, sondern wir untersuchen die gesamte Arbeitswelt, verstanden als Kombination von Erwerbsarbeit, Familienarbeit und Freiwilligenarbeit. Interessant ist dabei, wie die einzelnen Arbeitssphären miteinander zusammenhängen und welche individuellen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren erkennbar sind. Arbeit wird dabei auf der Mikro-, Meso- und Makroebene untersucht. Forschungsinteressen liegen sowohl auf Ebene der Individuen, der Haushalte, der Betriebe und auf gesellschaftlicher Ebene. Hier ist besonders das Zusammenspiel von institutionellen Bedingungen wie dem Wohlfahrtsstaat, den industriellen Beziehungen aber auch kulturellen und historischen Aspekten und der Arbeitswelt Thema unserer Forschung. Weitere interessiert Ungleichheit in der Arbeitswelt, sei es in Bezug auf Geschlecht, Qualifikation, Migration oder der Position in einer Gesellschaft (Intersektionalität).

  • Konflikte und Delinquenz

    Delinquenz bezeichnet abweichendes Verhalten, das strafrechtlich verfolgt wird. In allen Gesellschaften gehört Delinquenz zu den zentralen sozialen Problemen. Dabei ist das Gemeinwesen sowohl mit psychischer und materieller Not der Opfer als auch mit der Bestrafung und Wiedereingliederung der TäterInnen und der Aufgabe konfrontiert, Kriminalität zu verhindern. Für die Bewältigung dieser Problematik ist es unabdingbar, sich mit den individuellen und strukturellen Ursachen von Delinquenz, den Konsequenzen für die Opfer und der Wiedereingliederung von TäterInnen im Rahmen des Strafvollzugs und der Kriminalitätsprävention zu befassen. Der Forschungsschwerpunkt Delinquenz bietet vorab Raum für sozialwissenschaftliche Studien zu diesem Themenkomplex, wobei derzeit der Strafvollzug im Vordergrund steht. Weitere Themen, die zum Schwerpunkt gehören, sind häusliche Gewalt, Opferhilfe, Jugenddelinquenz, private Sicherheitsdienste sowie vergleichende Analysen von kriminogenen Faktoren. Berücksichtigt werden zudem Analysen, die auf selbstschädigendes Verhalten, Drogensucht, politische Gewalt, Folter, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder kriegerische Auseinandersetzungen fokussieren. 

  • Sozialpolitik und Sozialarbeit

    Wie reagieren Gesellschaften auf soziale Probleme? Das ist die übergeordnete Frage der Forschungsprojekte in diesem Forschungsschwerpunkt. Die sozialen Probleme treten auf allen Ebenen der Weltgesellschaft auf. Sie betreffen sowohl die lokale Ebene als auch das Verhältnis zwischen Globalem Süden und Globalem Norden. Migration kann ihre Folge sein oder ihre Brisanz verschärfen. Andere Differenzen wie beispielsweise das Verhältnis zwischen den Geschlechtern können sozialen Problemen unterliegen oder diese überlagern. Soziale Netzwerke tragen als Bewegungen soziale Probleme in die politische Arena. Als soziales Umfeld von Leuten sind sie eine wichtige Ressource, um sozialen Problemen zu begegnen. Sozialpolitik und Sozialarbeit nehmen sich vorsorgend und kurativ der sozialen Probleme an, wie sie sich aus abweichendem Verhalten, aus der Erwerbs-, Freiwilligen- und Hausarbeit oder aus sozialer Ungleichheit und Armut ergeben.

  • Gender

    Gender bezeichnet die sozial konstruierten Geschlechterbeziehungen. Sie manifestieren sich im Alltag sowohl im Verhalten von Männern, Frauen, Kindern und Jugendlichen als auch in Organisationen, über Religion und Tradition bis hin zur staatlichen Konstitution. Die (implizite und explizite) Gestaltung dieser Beziehungen ist somit theoretisch und empirisch relevant im Hinblick auf den Zugang zu sowie die Verteilung von sozial wertgeschätzten Gütern. Als Querschnittswissenschaft hat die Geschlechterforschung mittlerweile in vielen wissenschaftlichen Disziplinen Eingang gefunden. Im Fachbereich Soziologie, Sozialpolitik und Sozialarbeit (SOPA) setzen sich eine Reihe von Forschungsprojekten mit der sozialen Konstruktion der Geschlechterverhältnisse und der Institutionalisierung von Geschlechterregimes auseinander. Einen Schwerpunkt bilden Forschungsprojekte, die die unbezahlte Arbeit, also Haus- und Familienarbeit sowie die verschiedenen Formen der Freiwilligenarbeit systematisch in die Untersuchung einbeziehen, wobei das Spektrum der verwendeten Methoden von theoretisch-philosophischen bis hin zu empirischen (qualitativ und quantitativ) reicht.

  • Politikwissenschaft

    Politikwissenschaft in Fribourg deckt Forschung in einem vielfältigen und aktuellen Themenfeld ab, welches das Verständnis für politische und gesellschaftliche Entwicklungen in West- und Osteuropa stärkt. Im Zentrum der politikwissenschaftlichen Forschung in Fribourg steht die vergleichende Analyse politischer Systeme allgemein, und von politischen Akteuren und Prozessen, sowie Staatskapazitäten im Besonderen. Theoretisch, konzeptuell und methodologisch wird auf folgende Schwerpunkte fokussiert:

    • Postkommunistische Systemtransformation und Demokratisierungsprozesse
    • Vergleich politischer Systeme Mittel- und Osteuropas
    • Gesellschaftliche Bedingungen von Macht, Politik, und politischer Stabilität in Demokratien und Autokratien
    • Staat, Governance und Leadership in Zeiten der Krise
    • Informalität
    • Politische Theorien