«Wer bei uns im Teilzeitmodus studiert, soll das Studium mit Erfolg absolvieren können»

«Wer bei uns im Teilzeitmodus studiert, soll das Studium mit Erfolg absolvieren können»

Rechtswissenschaft im Teilzeitstudium? Das ist jetzt möglich! Die Redaktion hat Herrn Hubert Stöckli, Professor am Lehrstuhl für Zivil- und Handelsrecht, Löcher in den Bauch gefragt.

Herr Stöckli, welches Zielpublikum sprechen Sie mit der Lancierung dieses Studiengangs an und reagieren Sie damit auf bestimmte Bedürfnisse?
Unsere Zeit ist geprägt vom Wunsch nach stärkerer Flexibilisierung und grösserer Beweglichkeit, aber auch vom Umstand, dass Berufskarrieren heute vielgestaltiger sind und weniger geradlinig verlaufen als früher. Das erklärt, warum nicht alle Interessierten sich die Dinge so einzurichten vermögen, dass sie sich voll dem Studium widmen könnten – andere Projekte laufen weiter, neue Aufgaben kommen dazu. Deshalb haben wir jetzt die Möglichkeit geschaffen, Rechtswissenschaft in Teilzeit zu studieren. Dabei haben wir ein Modell entwickelt, bei dem auch die Teilzeitstudierenden von den Vorlesungen und Übungen, die hier an der Uni stattfinden, profitieren können. Wir glauben an den Wert solcher Präsenzveranstaltungen auch für das Teilzeitstudium, da sie eben mehr vermitteln als bloss den «Stoff». In unserem Modell haben wir die Kurse im Teilzeitstudium jeweils auf zwei Tage konzentriert und dabei inhaltliche Jahresschwerpunkte gebildet. Dies erlaubt es den Studierenden, in der übrigen Zeit – neben dem unabdingbaren Selbststudium – zum Beispiel Familienarbeit zu leisten oder eine berufliche Tätigkeit fortzuführen. Ansprechen möchten wir aber auch Studierende, die sich in der Kunst, im Sport oder in der Politik engagieren, dieses Engagement aber mit einem Studium der Rechtswissenschaft kombinieren möchten. Wir freuen uns sehr, dass wir diesem spezifischen Zielpublikum ein massgeschneidertes Programm anbieten können, das anders strukturiert, dabei aber ebenso anregend und anspruchsvoll ist wie ein Vollzeitstudium.

Warum ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt für die Lancierung? 
Eine gute Frage. Wahrscheinlich hätten wir dieses Studienprogramm schon früher schaffen können. Sicher ist aber, dass es für die Lancierung unseres neuen Programms nicht zu spät ist. So ist der Wunsch nach Flexibilität heute vielleicht eher noch nuancierter als noch vor einigen Jahren. Dazu kommt, dass die Freiburger Fakultät die erste Rechtswissenschaftliche Fakultät ist, die ein Präsenzstudium im Teilzeitmodus als besonderes Programm anbietet und damit den Bedürfnissen der Teilzeitstudierenden Rechnung trägt. Auch deshalb lässt sich sagen: wir kommen zur richtigen Zeit, finden Sie nicht auch?

Wie vielversprechend sind die Zukunftsperspektiven nach einem Abschluss im Teilzeitstudium? Profitieren Arbeitgeber_innen auch davon?
Ein sehr wichtiger Punkt. Das neue Studienprogramm weist zwar eine andere Struktur auf als das Vollzeitstudium. Ich habe schon kurz darauf hingewiesen, dass die Kurse jeweils auf zwei Wochentage konzentriert sind, womit die übrige Zeit frei bleibt. Damit verbunden ist die Bildung von Jahresschwerpunkten, was es den Teilzeitstudierenden erlaubt, sich in jedem Studienjahr mit einem bestimmten Teilgebiet unseres Rechtssystems vertieft auseinanderzusetzen. Was aber die Dozierenden und den Inhalt anbelangt, belegen die Teilzeitstudierenden exakt die gleichen Kurse wie die Studierenden, die bei uns im Vollzeitmodus sind. Wer sich für den Teilzeitmodus entscheidet, kann sich so das gleiche juristische Wissen aneignen wie die Vollzeitstudierenden – Unterschiede zum Studium im Vollzeitmodus bestehen in dieser Hinsicht keine. Bei der Entwicklung des neuen Programms war dies für uns ein zentrales Anliegen: Das Teilzeitstudium ist in jeder Hinsicht so anforderungsreich wie ein Vollzeitstudium – gepaart immerhin mit grösserer zeitlicher Verfügbarkeit und Flexibilität. Ob Arbeitgeber_innen davon profitieren werden? Wir glauben schon, dass das der Fall sein wird, wobei es natürlich auf die konkreten Absprachen zwischen einer Teilzeitstudentin und ihrem Arbeitgeber ankommt. Hier wird es wichtig sein, die Anforderungen, die mit einem Teilzeitstudium verbunden sind, nicht zu unterschätzen und gegenseitige Erwartungen möglichst transparent anzusprechen. Uns ist am Erfolg auch der Teilzeitstudierenden viel gelegen, weshalb man die Anforderungen nicht kleinreden darf. So gehen wir beispielsweise davon aus, dass der Versuch, ein Teilzeitstudium mit einem Berufspensum von mehr als 60% zu verbinden, ziemlich sicher zu ambitioniert ist. Auch wer Rechtswissenschaft in Teilzeit studiert, braucht dafür Zeit. Sonst bleibt die Auseinandersetzung mit der komplexen Materie blutleer, und das Studium macht keine Freude.

Wie gut lässt sich die Ausbildung mit der Praxis vereinbaren? Ist die Fakultät flexibel? 
Vielleicht darf ich hier auf die Punkte verweisen, die wir in diesem Austausch schon angesprochen haben. Ob die Fakultät flexibel sei, fragen Sie. Nun, unsere Beweglichkeit kommt in der Gestaltung des Studienplans zum Ausdruck. Wer im Teilzeitmodus studiert, für den haben wir die relevanten Kurse auf zwei Wochentage gelegt. Das schafft zugunsten der Teilzeitstudierenden viel Gestaltungsspielraum. Wir halten aber auch beim Teilzeitstudium an der bewährten Grundkonzeption fest: Wer das Bachelorstudium der Rechtswissenschaft in Angriff nimmt, trifft ein festgefügtes Curriculum an – ob nun im Voll- oder im Teilzeitmodus studiert wird. Damit erreichen wir etwas, was uns wichtig ist: Alle unsere Studierenden setzen sich mit sämtlichen Teilgebieten unseres Rechtssystems auseinander, was deshalb so zentral ist, weil die einzelnen Fächer nicht beziehungslos nebeneinanderstehen, sondern jeder «Fall», auf den unsere Studierenden in ihrer späteren Praxis stossen werden, nur zu lösen ist, wenn man die vielfältigen Wechselwirkungen in Rechnung stellt.

Was raten Sie Interessenten eines Teilzeitstudiums in der Rechtswissenschaft?
Wer bei uns im Teilzeitmodus studiert, soll das Studium mit Erfolg absolvieren können. Daran liegt uns viel mehr als an eindrücklichen Zahlen. Wir haben deshalb Zulassungskriterien geschaffen, die alle in die gleiche Richtung zielen: Wir möchten all jene ansprechen, die eine recht präzise Vorstellung davon haben, was es für sie heisst, ein Studium mit einer anderen Tätigkeit zu kombinieren. Das führt mich auch zur Antwort auf Ihre Frage: Unsere Studienberatung unterstützt die Interessenten, sich über die hohen Anforderungen, die mit einem Studium verbunden sind, möglichst klar zu werden. Ein Teilzeitstudium bietet grosse Chancen, ist aber auch anspruchsvoll. Darüber wollen wir Klarheit schaffen, damit jene, die sich dann für dieses Studienprogramm entscheiden, bei uns auch wirklich finden, was sie gesucht haben.

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  • Alle Informationen zum neuen Teilzeitstudium auf der Webseite

Angela Hoppmann

Angela Hoppmann ist Germanistin, Philosophin und Autorin, seit 2018 zudem Redaktorin und Social Media Expertin im Team Unicom. Sie bezeichnet sich selbst als Textarchitektin und verfasst in ihrer Freizeit Romane und Kurzgeschichten – wenn sie nicht gerade Tango tanzt, ihre sechste Sprache lernt oder mit Hund Nietzsche unterwegs ist.

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Angela Hoppmann ist Germanistin, Philosophin und Autorin, seit 2018 zudem Redaktorin und Social Media Expertin im Team Unicom. Sie bezeichnet sich selbst als Textarchitektin und verfasst in ihrer Freizeit Romane und Kurzgeschichten – wenn sie nicht gerade Tango tanzt, ihre sechste Sprache lernt oder mit Hund Nietzsche unterwegs ist.

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