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MuskelapparatDruckerfreundliche Version

Muskelgewebe besteht aus gleichartig differenzierten Zellen - den Muskelzellen, die in ihrer Gesamtheit die Muskulatur bilden. Dieses Gewebe ist zu Kontraktionen fähig, weil die Zellen Myofilamente aus Aktin und dem Motorprotein Myosin enthalten. Ausgelöst wird die Kontraktion durch eine Erhöhung der zytosolischen Kalziumionen-Konzentration, die zu einer zyklischen Interaktion zwischen Aktin und Myosin führt.

Durch die Fähigkeit zur Kontraktion ermöglichen Muskelzellen die Ortsbewegung eines Lebewesens, aber auch alle lebenswichtigen Bewegungsvorgänge innerhalb eines Organismus - zum Beispiel des Herzens sowie der muskulösen Hohlorgane.

Die für die Kontraktion erforderliche Energie ist intrazellulär hauptsächlich in Form von ATP, aber auch als Glykogen vorhanden. Zur Sicherung einer optimalen Nähr- und Sauerstoffversorgung ist das Muskelgewebe reichlich kapillarisiert.

Hinsichtlich Bau, Funktion und Erregung wird zwischen glatter Muskulatur (Eingeweidemuskulatur) sowie quergestreifter (Skelett- und Herzmuskulatur) unterschieden.

Merke:
Zytologische Bezeichnungen für Muskelgewebe:
  • Zytoplasma = Sarko- plasma
  • Plasma- lemm = Sarkolemm
  • endoplas- matisches Retikulum = sarkoplas- matisches Retikulum
Übersichtstabelle: Die drei Typen von Muskelzellen beim Menschen
Muskelzelltyp Glatt Skelett Herz
andere Bezeichnung
ungestreift, unwillkürlich, autonom
quergestreift, willkürlich quergestreift,
autonom
Myofibrillen nicht auffallend auffallend
auffallend
Faserlänge
20-200µm
(Uterus graviditatis bis 800 µm)
je nach Funktionszustand mehrere cm
50- 120µm
Faserdurchmesser 8-10 µm 10-100 µm 15 µm
verzweigt nur im Uterus nur in Zunge gelegentlich
Definition der Muskelfaser einzelne Zelle, mit gap junctions verbunden multinukleäres Synzytium einzelne Zellen, mit gap junctions verbunden
Zellkern 1-2 zentral gelegen, dicht, korkenzieherförmig peripher: viele Kerne
(30-120 Kerne/mm), spindelartig;
Ausnahme: Augenmuskeln = zentral
1-2 zentral, linsenförmig und blass
Querstreifung nein ja ja
Glanzstreifen nein nein ja
Kontraktion langsam, rhythmisch, "Tonus": über längere Zeit gespannt schnell, kraftvoll, nicht langdauernd mässig schnell, rhythmische Kontraktion, nicht gespannt, nie Pausen
Steuerung der Kontraktion Neurogen: durch vegetatives NS impulse und eigene Steuerungssysteme im Organ (Nervenplexus)
myogen: Rhythmus von Muskelzelle ausgehend
hormonell: z. Bsp. NO, Vasopressin, Adrenalin, Noradrenalin
Neurogen (vegetativ und animalisch) Neurogen: Geschwindigkeit von ZNS gegeben (vegetativ)
myogen
: Rhythmik
hormonell: z. Bsp. NO, Vasopressin, Adrenalin, Noradrenalin
Vorkommen Hohlorgane, Gefässe, Drüsen, Auge: Ziliarmuskel; Irissteuerung Bewegungs- und Skelettmsukulatur, Zwerchfell Herz
Regeneration nach Verletzung beschränkt, stattdessen wird Bindegewebe gebildet Ja, die Satellitenzellen dienen dem physiologischen Zellnachschub nein, wird durch Bindegewebe ersetzt
speziell organisiertes sarkoplasmatisches Retikulum (SR) nein miteinander verlaufende Actin-Myosinkomplexe, die alle gleichzeitig aktiviert werden sollen: die Depolarisation der Muskelzellmembran läuft entlang dem T-System (=Einstülpung der Membran) nach innen, das T-System steht in engem Kontakt zum L-System (=speziell organisiertes SR), das depolarisiert wird und deshalb Ca2+-Ionen ins Sarkoplasma ausschüttet --> Kontraktion
Ort der Sarkolemm- einstülpung (T-System)*   Grenze A/I Streifen Z-Streifen
Ca2+-Speicher speziell angeordnetes sarkoplasmatisches Retikulum, Pinozytosebläschen sarkoplasmatisches Retikulum sarkoplasmatisches Retikulum, teils aus Extrazellulärraum
L-System*   stark ausgebildet, longitudinal zw. Myofibrillen, bildet Triade (2 SR-Zysternen + 1 T-Tubulus ausgebildet, bildet Diade (1 SR-Zysterne + 1 T-Tubulus)
Zellgrenzen   Synzytium erkennbar

* kann je nach Spezies variieren.

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