Lehrplattform Histologie
 Sitemap Hilfe
Home > Muskelapparat > Fasertypen
MuskelapparatDruckerfreundliche Version
Fasertypen

Man kennt grundsätzlich zwei Arten von Muskelfasern:

  • Zuckungsfasern
    • langsame Zuckungsfasern
    • Intermediärtyp
    • schnelle Zuckungsfasern
  • Tonusfasern

Beim Menschen sind die meisten Muskelfasern Zuckungsfasern, die sich in ihrer Kontraktionsgeschwindigkeit unterscheiden. Hierfür ist die chemische Zusammensetzung des Myosinmoleküls entscheidend, und zwar speziell seine größte Teilkomponente, die so genannte schwere Kette. Sie tritt beim Erwachsenen in drei unterschiedlichen Ausprägungen auf: den Isoformen I, IIA und IIB. Enthält eine Muskelfaser eine der beiden Formen vom Typ II, spricht man von schnellen Fasern, bei Typ I hingegen von langsamen. Diese Klassifizierung ist durchaus berechtigt, wenn man bedenkt, dass der träge Fasertyp sich etwa zehnmal langsamer verkürzt als der Typ IIB. Die Geschwindigkeit von Typ-IIA-Fasern liegt dazwischen. Neben den drei reinen Fasertypen gibt es auch Mischfasern mit je zwei unterschiedlichen Myosin-Isoformen. Ihre funktionellen Eigenschaften richten sich im Allgemeinen nach dem jeweils dominanten Myosintyp.

Beeinflusst wird die Kontraktionsgeschwindigkeit der Muskelfasern durch die unterschiedliche Geschwindigkeit, mit der an der schweren Myosinkette ATP gespalten und damit verbraucht wird. Da Typ-I-Fasern ihr ATP langsamer spalten und vorwiegend über einen Sauerstoff verbrauchenden Stoffwechselweg neu gewinnen, eignen sie sich vor allem für Ausdauersport wie Langstreckenlaufen, Radfahren oder Schwimmen. Schnelle Fasern hingegen mit ihrem hohen Verbrauch ermüden rascher, können aber kurzfristig über einen sauerstofflosen anaeroben Stoffwechselweg mehr Reserven mobilisieren. Ihnen kommt daher eine Schlüsselfunktion bei Kurzzeitbeanspruchungen wie Gewichtheben oder Sprinten zu.

Der weisse Muskelfasertyp (fast twitch fibres) kann sehr schnell reagieren und ermöglicht kräftige Kontraktionen. Er ermüdet aber schnell, weil er vor allem glykolytisch arbeitet.

Der rote Muskelfasertyp (slow twitch fibres) spricht auf Reize langsamer an, hat dabei eine längere Kontraktionszeit, aber er ermüdet sehr viel langsamer, weil er oxydativ arbeitet.

Der dritte Muskelfasertyp ist der Intermediärtyp, der in seinen Eigenschaften zwischen weisser und roter Muskulatur angesiedelt ist. Es scheint so, dass sich gerade dieser Typ durch Training tendenziell in die eine oder andere Richtung beeinflussen läßt.

Viel spricht dafür, das der Anteil der verschiedenen Muskelfasertypen erblich vorgegeben ist.
Übersichtstabelle: Die drei Typen von Muskelfasern
Muskelfasern Mitochondrien- anordnung Histologisches
Bild
Herz
Rote Muskelfaser
(langsame, ermüdungsresistente Faser)
auch Typ I Faser genannt

Langstrecken-
läufer, Radfahrer
Intermediärtyp
(schnelle, relativ ermüdungsresistente Faser) Typ IIA

 
Weisse Muskelfaser
(sehr schnell arbeitende Faser mit  kurzfristig hoher Kraftleistung) Typ IIB Faser
Sprinter


Neben den Zuckungsfasern kommen auch Tonusfasern vor. Es sind dünnere Fasern (ca. 5 -20 µm), die mehrere primitiv gebaute neuromuskuläre Synapsen besitzen. Die Plasmamembran leitet selbst keine Aktionspotentiale fort, was bewirkt, dass einzelne Abschnitte der Muskelfaser je nach Innervation kontrahiert werden können, andere aber nicht. Dadurch kann der Muskel abgestuft verkürzt werden, was zu einer Tonusentwicklung führt. Solche Tonusfasern kommen in den Muskelspindeln und in einem Teil der äusseren Augenmuskeln vor.

 

Seitenanfang


Vorherige Seite Nächste Seite