Lehrstuhl für die Exegese des Alten Testamentes (Deutsch)

Ein Schwerpunkt der Forschung am Lehrstuhl für die Exegese des Alten Testamentes liegt auf der Beziehung der Hebräischen Bibel zu den Kulturen des Alten Orients.

Dazu gehört in der von Othmar Keel begründeten ikonographischen Tradition die Interpretation archäologischer Bildzeugnisse Ägyptens, Mesopotamiens und der Levante. Die Semiotik stellt die verbindende methodische Grundlage dieser Forschungszweige dar. Text- und Bildwelt werden betrachtet als verbale und nonverbale Kommunikationssysteme, die auf Beziehungen von Zeichen basieren.

Das Interesse beschränkt sich nicht nur religionsgeschichtlich auf die Verwurzelung der Bibel im mythischen Denken des Altertums. Theologisch geht es um die Offenheit der Deutung menschlicher Erfahrung für den religiösen Begriff der Offenbarung. Das Konzept der symbolischen Formen von Ernst Cassirer erlaubt einen Raum für das Einbrechen des Transzendenten in das Deuten menschlicher Erfahrung beim Übergang vom mythischen zum religiösen Denken.

In jüngerer Zeit schliesst speziell die Forschung des Lehrstuhlinhabers Hans Ulrich Steymans die Hermeneutik einer ökologischen Lektüre der Bibel ein, wie sie auf den von Norman Habel (Flinders University, Adelaide, Südaustralien) ins Leben gerufenen Ecological Hermeneutics Sessions der Annual Meetings der Society of Biblical Literature diskutiert wird.