Kommunikations- und Medienethik: Auf der Suche nach einem Kompass
6640-1316

Dozenten-innen: Prinzing Marlis
Kursus: Bachelor
Art der Unterrichtseinheit: Blockkurs
ECTS: 3
Sprache-n: Deutsch
Semester: SA-2019

Medienethik ist ein Bereich der angewandten Ethik. Sie beschäftigt sich mit Fragen des verantwortungsvollen und bewussten Handelns im Bereich der Medien und weist auf diversen Ebenen Verantwortung zu, umfasst also die Berufsethik der Kommunikationsberufe, Medienwirtschaftsethik, Publikumsethik und Informatikethik. Medienethik berührt individuelles sowie gesellschaftliches Handeln.

Der Kurs behandelt theoretische und praktische Dimensionen der Kommunikations- und Medienethik. Er führt in Grundlagen der Moralphilosophie ein und erläutert an Praxisbeispielen normative Kernbegriffe der Medienethik wie Wahrhaftigkeit, Information (und Desinformation), Privatheit und Öffentlichkeit, Authentizität und Inszenierung sowie Qualität. Dargestellt und reflektiert werden Institutionen, diverse Anwendungsfelder sowie Grenzbereiche. Anhand aktueller Fälle und im Diskurs schulen die Studierenden ihr Analyse- und Reflexionspotenzial. Fokussiert werden im Kurs jeweils auch die Anforderungen der digitalen Gesellschaft.

Das Ziel des Kurses besteht darin, für sich einen „ethischen Kompass“ zu entwickeln, an dem sich Einschätzungen und Entscheidungen ausrichten lassen, wie über Ereignisse wie Krieg, Terror, Katastrophen, Verbrechen, Unfälle, persönliche Dramen – und über Personen berichtet werden soll. Einen Kompass, der hilft, Antworten zu finden: Was muss öffentlich werden, was privat oder geheim bleiben, welche Bilder müssen zugemutet werden, wie viele, wie oft – und welche nicht? Mit welchen Begründungen? Wo sind die Grauzonen?  Wie handle ich richtig? Jedenfalls: so richtig wie möglich?

Beispiel Terrorattacken: Wie viele Bilder muss man zeigen (und aushalten)? Welche? Welche nicht? Warum? Welche Argumente liefert die Philosophie, welche die Forschung über Medienethik? Welche Handlungsleitlinien lassen sich daraus für journalistisches Handeln ableiten? Welche für das publizierende Publikum in der digitalen Gesellschaft? Welche Leitlinien gibt es, wo ist (noch) Reflexionsbedarf?

Der Kurs beginnt mit einem theoriegeleiteten Input, umfasst Reflexionen zu Anwendungsfeldern, Studienbefunde, Praxisinputs, Fallanalysen und evidenzgestützte Debatten. Wir befassen uns mit Studien zu medienethischen Fragen, begutachten Fälle, auch international. Wir fokussieren den medienethischen und medienrechtlichen Instanzenweg in der Schweiz und nehmen nach Möglichkeit an einer „einschlägigen Sitzung“ teil.

"Global Ethics Day"
Mittwoch, 16. Oktober 2019. 17.15 bis 19.15 Uhr, Raum C 230.
Diskussion: Vom Wert der Wahrheit: das „ethisch geschulte“ Publikum in der desinformierten Gesellschaft.
Dr. Mascha Santschi-Kallay (UBI-Präsidentin), Sandro Brotz (Arena Moderator)
Moderation: Prof. Dr. Marlis Prinzing (im Rahmen des Global Ethics Day)


Lernziele

Kenntnisse über den Forschungsstand der Medienethik und über Grundlagen der Medienethik in der Praxis sowie Fertigkeit im Erstellen theoriebasierter, systematischer Fallanalysen

Dokumentation

Stapf, Ingrid/Prinzing, Marlis/ Filipović, Alexander (Hrsg.) (2017): Gesellschaft ohne Diskurs? Digitaler Wandel und Journalismus aus medienethischer Perspektive. Baden-Baden: Nomos.
Heesen, Jessica (Hrsg.) (2016): Handbuch Informations- und Medienethik. Stuttgart/ Weimar: J.B. Metzler.
Blum, Roger, Prinzing, Marlis (2010): Medienethik in der Schweiz, in: Schicha, Christian, Brosda, Carsten): Handbuch Medienethik, VS-Verlag.