Kommunikations- und Medienethik: Journalismus als moralfreie Zone? Theoretische und praktische Dimensionen der Medienethik
6640-1356

Dozenten-innen: Prinzing Marlis
Kursus: Bachelor
Art der Unterrichtseinheit: Cours bloc
ECTS: 3
Sprache-n: Deutsch
Semester: SP-2020

Wie handle ich richtig? Jedenfalls: so richtig wie möglich? Was geht, was nicht? Warum? Das sind Leitfragen in diesem Kurs zur Medienethik.
Beispiel Terrorattacken: Wie viele Bilder muss man zeigen? Welche? Welche nicht? Warum? Welche Argumente liefert die Philosophie, welche die Forschung über Medienethik? Welche Handlungsleitlinien lassen sich daraus für journalistisches Handeln ableiten? Welche für das publizierende Publikum in der digitalen Gesellschaft? Welche Leitlinien gibt es, wo ist (noch) Reflexionsbedarf?

Medienethik ist ein Bereich der angewandten Ethik. Sie beschäftigt sich mit Fragen des verantwortungsvollen und bewussten Handelns im Bereich der Medien. Die Verantwortung wird an verschiedenen, miteinander in Bezug stehende Ebenen adressiert: an die Berufsethik von Kommunikationsberufen, die Medienwirtschaftsethik, an das ethische Handeln des Publikums. Ethik berührt individuelles sowie gesellschaftliches Handeln.

Dieser Kurs analysiert Zusammenhänge erläutert, reflektiert zentrale Normen anhand konkreter Fälle, Anwendungsfelder und Grenzbereiche: Skandale, Krankheiten, Verbrechen, Unfälle, neue Techniken wie Live-Streams – viele Entscheidungen, wie man über Ereignisse und Personen berichten und kommunizieren soll, erfordern einen „ethischen Kompass“. Digitale Techniken und die Kommunikation über Messenger und soziale Netzwerke stellt zusätzliche Anforderungen, wie man sich „ethisch norden“ und wie sich Folgen des Publizierens (und des Nicht-Publizierens) einschätzen lassen.

Wir befassen uns mit Studien zu medienethischen Fragen, analysieren Fälle, auch international. Wir fokussieren den medienethischen und medienrechtlichen Instanzenweg in der Schweiz und nehmen nach Möglichkeit an einer „einschlägigen Sitzung“ teil.

Der Kurs beginnt mit einem theoriegeleiteten, praxisbasierten Input. Fallgutachten, Praxisinputs, theorie- sowie praxisbasierte Diskurse und Analysen stehen im Mittelpunkt.

Ziel des Kurses ist es, einen inneren Kompass zu justieren, der beiträgt, dass wir auch in der digitalen Gesellschaft auf Kurs bleiben und beurteilen können, inwiefern Journalismus hier seiner Verantwortung als Frühwarner-, Beobachter-, und Informationsinstanz gerecht wird. Der im Kurs geführte Diskurs über Verantwortung und Gerechtigkeit, Macht und Medien in der Zivilgesellschaft soll verhindern, dass Journalismus zur moralfreien Zone oder zur austauschbaren Content-Produktion wird, sondern vielmehr seinen Wert durch Werteorientierung behauptet.


Lernziele

Kenntnisse über den Forschungsstand der Medienethik und über Grundlagen der Medienethik in der Praxis sowie Fertigkeit im Erstellen theoriebasierter, systematischer Fallanalysen

Dokumentation

Stapf, Ingrid/Prinzing, Marlis/ Filipović, Alexander (Hrsg.) (2017): Gesellschaft ohne Diskurs? Digitaler Wandel und Journalismus aus medienethischer Perspektive. Baden-Baden: Nomos.

Heesen, Jessica (Hrsg.) (2016): Handbuch Informations- und Medienethik. Stuttgart/ Weimar: J.B. Metzler.

Blum, Roger, Prinzing, Marlis (2010): Medienethik in der Schweiz, in: Schicha, Christian, Brosda, Carsten): Handbuch Medienethik, VS-Verlag.