Programm

Mittwoch, 17. Juni 2020

   09.00 Offizielle Begrüssung durch den Dekan der theologischen Fakultät der Universität Fribourg
              Prof. DDr. Dr. h. c. Mariano Delgado

              Morgengebet mit Brüdern aus Taizé

  • 09.45 Keynote #1: Hans Boersma - Moderne und Spiritualität: Warum das Ende der Anfang ist

    Die Moderne hat das ineinandergreifende, sakramentale Universum der Großen Tradition durch ein atomistisches Verständnis von Realität ersetzt. Philosophisch gesehen haben wir uns weg vom Realismus hin zum Nominalismus bewegt. Dieser Vortrag zeichnet diese Entwicklung nach und reflektiert ihre geistigen und geistlichen Implikationen. Anselms Proslogion verdeutlicht, was es bedeutet, wenn wir das Ende (die Gottesschau) zum Ausgangspunkt unserer Spiritualität machen.

    Speaker

    HANS BOERSMA ist seit 2019 als Professor am theologischen Seminar Nashotah House in Wisconsin (USA) tätig. Davor war er während vierzehn Jahren Professor am Regent College in Vancouver sowie für sechs Jahre an der Trinity Western University in Langley. Bekannt ist Boersma u.a. für seine Bücher, darunter Seeing God: The Beatific Vision in Christian Tradition (2018), Scripture as Real Presence (2017) und Heavenly Participation (2011). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören das katholische Denken, die Kirchenväter sowie die geistliche Interpretation der Schrift.

   10.15 Pause

  • 10.45 Keynote #2: Silvianne Aspray - Individualität und Gottesbeziehung: Warum wir eine neue Mystik brauchen

    Die Neuzeit brachte eine neue Wertschätzung für die Individualität eines jeden Menschen. Diese Entdeckung des “Ichs” wurde allerdings oft als bewusste Abgrenzung des handelnden Subjekts von Gott verstanden, als ob sich göttliches und menschliches Wirken gegenseitig ausschlössen. Dieses Referat zeigt ein alternatives, partizipatives Verständnis vom Zusammenspiel von Gott und Mensch auf, in dem unsere Individualität nicht auf Kosten unserer Gottesbeziehung geht, sondern durch diese erst ermöglicht wird.

    Speaker

    SILVIANNE ASPRAY hat kürzlich ihre Promotion in Cambridge, England abgeschlossen. In ihrer Dissertation hat sie sich mit der Metaphysik der Reformation auseinandergesetzt und arbeitet nun als British Academy Postdoctoral Fellow über Nikolaus von Kues und Pico della Mirandola. Sie hat in Bern und Durham Theologie studiert, wurde 2011 zur reformierten Pfarrerin ordiniert und lebt heute zusammen mit ihrem Mann in Cambridge.

  • 11.15 Keynote #3: Peter Zimmerling - „Durch die Fenster des dunklen Glaubens lässt Gott sich sehen.“ Nachterfahrungen, eine Chance den Glauben zu vertiefen?

    Martin Luther und sein Zeitgenosse Johannes vom Kreuz betonen, dass Nachterfahrungen die Voraussetzung dafür sind, um die beglückende Nähe Gottes zu erfahren. Solche Widerfahrnisse haben die Aufgabe, Menschen von der Fixierung auf das irdische Leben zu lösen, um ein Sensorium für die Welt Gottes entwickeln zu können. Der Vortrag will zeigen, dass die Erfahrung der Nachtseite des Glaubens von der heutigen Tyrannei des gelingenden Lebens freimacht. Schwierigkeiten, Misserfolge und Leiden bieten die Chance, umzukehren und die Selbstverständlichkeiten des Lebens zu verändern, hinter denen sich bekanntlich die größten Irrtümer verbergen.

    Speaker

    PETER ZIMMERLING ist Professor für Praktische Theologie an der Universität Leipzig, wo er seit 2012 der erste Universitätsprediger ist. Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer, promovierte er bei Jürgen Moltmann über Zinzendorfs Trinitätslehre und habilitierte 1999 an der Universität Heidelberg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind, u.a. das Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers, Spiritualität und evangelische Mystik, Seelsorge und Predigtlehre.

   11.45 Pause

   12.00 Q&A

   12.15 Mittagsgebet mit Brüdern aus Taizé

   12.45 Mittagspause

   14.30 Breakout Sessions

   15.45 Pause

   16.15 Talk mit Brüdern aus Taizé

   17.15 Offizielle Lancierung von "Emmaus Convent"

   17.30 Pause

   19.00 Ökumenischer Gottesdienst in der St. Nikolaus Kathedrale von Fribourg

 

Donnerstag, 18. Juni 2020

   09.00 Morgengebet mit Brüdern aus Taizé

  • 09.30 Keynote #4: Hans Boersma - Gemeinsam auf dem Berg: Einheit und Spiritualität

    Was ist aus dem ökumenischen Dialog geworden?  Wo ist der Optimismus, der diese Bewegung am Anfang prägte?  Ist das Dogma letztendlich ein Hindernis für die Einheit? Für die Kirchenväter wird die christliche Glaubenswahrheit auf dem Gipfel des Berges erkannt. Indem die Kirchenväter Theologie und den Aufstieg zu Gott verbinden, lehren sie, dass das Geschenk der Einheit nur zugänglich wird, wenn wir theologische Dialoge betend, in der Gegenwart des verklärten Christus, führen.

    Speaker

    HANS BOERSMA ist seit 2019 als Professor am theologischen Seminar Nashotah House in Wisconsin (USA) tätig. Davor war er während vierzehn Jahren Professor am Regent College in Vancouver sowie für sechs Jahre an der Trinity Western University in Langley. Bekannt ist Boersma u.a. für seine Bücher, darunter Seeing God: The Beatific Vision in Christian Tradition (2018), Scripture as Real Presence (2017) und Heavenly Participation (2011). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören das katholische Denken, die Kirchenväter sowie die geistliche Interpretation der Schrift.

   10.00 Pause

  • 10.30 Keynote #5: Frère Richard - Gebet und Ökumene als „Verlustgeschäft“

    Wer betet, verliert etwas, Zeit auf jeden Fall, vielleicht noch mehr. „Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir“: im Gebet verlor Niklaus von Flüe sich selbst an Gott. Auch Ökumene, sagte Papst Franzikus 2018 in Genf, ist „ein grosses Verlustgeschäft“. Er zitierte Jesus: „Wer sein Leben um meintewillen verliert, wird es finden.“ Was folgt aus diesem Jesuswort für das Gebet und für die Ökumene?

    Speaker

    FRÈRE RICHARD geboren in Bargen (bei Aarberg), besuchte das klassische Gymnasium in Langenthal. Nach der Matura lebte er ein Jahr als Freiwilliger in Taizé und trat 1979 in die Communauté ein. Er hilft bei der Gestaltung der Jugendtreffen mit, ist an der theologischen Arbeit der Communauté und der Ausbildung der jüngeren Brüder beteiligt und pflegt für die Communauté Kontakte insbesondere mit Südosteuropa.

  • 11.00 Keynote #6: Peter C. Bouteneff - Eine Ökumene der Busse
    Maximus der Bekenner (7. Jh.) war einer der größten Theologen der Kirche. Er wusste um die Komplexität der Theologie und wie theologische Unterschiede die Kirche spalten können. Doch als er gefragt wurde, warum es kirchliche Spaltungen gebe, sagte er, dass sie alle aus einem Mangel an Liebe entstehen würden. Könnten unsere Bemühungen um die Einheit der Kirche durch eine bußfertige Betrachtung unserer inneren Dispositionen vertieft werden? Welche innerliche und geistliche Arbeit ist noch zu bewältigen, damit die Einheit der Kirche bewahrt und aufgebaut wird?

    Speaker

    PETER BOUTENEFF ist Professor für Systematische Theologie am St Vladimir’s Orthodox Seminary. Er hat ursprünglich an der University of Oxford promoviert und ist heute Direktor des SVS Sacred Arts Initiative am St Vladimir’s Seminary und setzt sich intensiv mit der Musik von Arvo Pärt auseinander. Während mehreren Jahren war Bouteneff Executive Secretary for Faith and Order des Ökumenischen Rats der Kirchen und sich in dieser Funktion stark für den theologischen Dialog eingesetzt.

   11.30 Pause

   11.45 Q&A

   12.15 Mittagsgebet mit Brüdern aus Taizé

   12.45 Mittagspause

  • 14.30 Keynote #7: Martin Schleske - Gebet als Resonanzerfahrung - vom Erlernen einer heiligen Kunst

    Speaker

    MARTIN SCHLESKE ist Geigenbaumeister, Physiker und geistlicher Schriftsteller. Etwa dreißig Instrumente verlassen jährlich sein Meisteratelier. Seine Kunden sind mitunter renommierte Solisten und Konzertmeister weltweit. Vor neun Jahren erschien sein (inzwischen mit über 100.000 Exemplaren in 12. Auflage vorliegendes) Buch „Der Klang – Vom unerhörten Sinn des Lebens“. Sein zweites Buch, „Herztöne – Lauschen auf den Klang des Lebens“ erreichte schon nach wenigen Wochen die Spiegel Bestseller-Liste. Martin Schleske arbeitet mit seinen drei Mitarbeitern in einem jüngst sanierten 700-jährigen Werkstatthaus im historischen Stadtkern in Landsberg am Lech.

   15.15 Pause

   15.45 Einführung in verschiedene Gebets- und Spiritualitätsformen

   17.45 Pause

   19.30 Kulturabend: Konzertlesung mit Martin Schleske und Alban Beikircher

   20.45 Abendgebet mit Brüdern aus Taizé

 

Freitag, 19. Juni 2020

   09.00 Morgengebet mit Brüdern aus Taizé

  • 09.30 Keynote #8: Peter C. Bouteneff - Reflexionen über die Rolle der Kunst im geistlichen Leben

    Im Anschluss an die Konzertlesung vom Donnerstagabend wird dieser Vortrag thematisieren, wie Christus durch die Künste und durch Schönheit in die Herzen der Menschen kam. Dostojewskis berühmter Ausspruch "Schönheit wird die Welt retten" hat viele Implikationen für eine Gesellschaft; wir werden hier über die Rolle der Kunst nachdenken, menschliche Herzen zu öffnen und Geist und Körper zu inspirieren.

    Speaker

    PETER BOUTENEFF ist Professor für Systematische Theologie am St Vladimir’s Orthodox Seminary. Er hat ursprünglich an der University of Oxford promoviert und ist heute Direktor des SVS Sacred Arts Initiative am St Vladimir’s Seminary und setzt sich intensiv mit der Musik von Arvo Pärt auseinander. Während mehreren Jahren war Bouteneff Executive Secretary for Faith and Order des Ökumenischen Rats der Kirchen und sich in dieser Funktion stark für den theologischen Dialog eingesetzt.

   10:00 Pause

  • 10:30 Keynote #9: Hans Boersma - Wiedererlangung der Jenseitigkeit: Über Aktion und Kontemplation

    Aktion und Kontemplation bilden zusammen das christliche Leben. Obwohl das aktive Leben und das kontemplative Leben miteinander ergänzend verwoben sind, hat letzteres eine gewisse Priorität: Die Kontemplation (seligmachende Gottesschau) ist unser letztendliches Ziel. Dieser Vortrag kritisiert die unangemessene Fokussierung auf die Aktion (und auf diesseitige und weltliche Güter) in der jüngeren reformierten Theologie und in zeitgenössischen politischen Lesarten der Schrift und schliesst mit einem Plädoyer für die Wiedergewinnung der Jenseitigkeit.

    Speaker

    HANS BOERSMA ist seit 2019 als Professor am theologischen Seminar Nashotah House in Wisconsin (USA) tätig. Davor war er während vierzehn Jahren Professor am Regent College in Vancouver sowie für sechs Jahre an der Trinity Western University in Langley. Bekannt ist Boersma u.a. für seine Bücher, darunter Seeing God: The Beatific Vision in Christian Tradition (2018), Scripture as Real Presence (2017) und Heavenly Participation (2011). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören das katholische Denken, die Kirchenväter sowie die geistliche Interpretation der Schrift.

  • 11:00 Keynote #10: Barbara Hallensleben - "Das Gebet stiftet die menschliche Weltordnung" (Franz Rosenzweig). Politik in der Zeit des Endes

    Politisches Handeln "folgt" nicht einfach aus dem Gebet wie eine andere, vom Gebet unabhängige Größe. Die Liturgie, das öffentliche Gebet der Kirche, ist der höchste politische Akt der Christen: Sie bezeugen eine politische Wirklichkeit: das Reich Gottes, und bekräftigen den wahren Herrscher der Welt: den Herrn und Erlöser Jesus Christus. In der "Fülle der Zeiten", die in Jesus dem Christus angebrochen ist, wird "Politik" zur christlichen Lebensform. In der Zeit Endes bereitet sich das Ende der Zeiten vor. Vielleicht gibt es doch eine "spezifisch christliche Ethik"? Diese wäre dann eine Ethik des Gebets, das die Weltordnung stiftet: "Betet ohne Unterlass!" (1 Thess 5,17).

    Speaker

    BARBARA HALLENSLEBEN ist Professorin für Dogmatik und Theologie der Ökumene an der Universität Fribourg und Direktorin des Zentrums St. Nikolaus für das Studium der Ostkirchen. Ein zentrales Projekt von Barbara Hallensleben ist die Herausgabe der Werke von Sergji Bulgakov in deutscher, kommentierter Übersetzung. Zudem ist sie Konsultorin des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und Mitglied der Internationalen Orthodox-Katholischen Gesprächskommission.

   11.30 Pause

   11.45 Q&A

   12.15 Mittagsgebet mit Brüdern aus Taizé

   12.45 Mittagspause

   14.30 Breakout Sessions

   15.45 Pause

  • 16.15 Talk: Beten und Tun des Gerechten mit Fulbert Steffensky und Christiane Tietz

    Moderatorin

    OLIVIA RÖLLIN ist seit Anfang 2019 Moderatorin und Redaktorin der «Sternstunde Religion» beim SRF. Sie hat Religionswissenschaften und Philosophie in Zürich, München und Wien studiert.

    Speakers

    FULBERT STEFFENSKY hat katholische und evangelische Theologie studiert und war für 13 Jahre Benediktinermönch in der Abtei Maria Laach. Er hat seine Promotion an der Ruhr-Universität Bochum erlangt und war als Professor an der FH Köln und der Universität Hamburg sowie als Gastprofessor am Union Theological Seminary tätig. Fulbert Steffensky war verheiratet mit Dorothee Sölle (gestorben 2003) und gemeinsam waren sie Mitbegründer des Politischen Nachtgebets, einer Liturgie, welche von 1968 bis 1972 regelmässig in der Antoniterkirche in Köln gefeiert wurde. Mittlerweile ist er emeritiert und lebt im schweizerischen Luzern. Zu seinen neusten Veröffentlichungen gehören: Heimathöhle Religion (2015), Orte des Glaubens (2017) und Fragmente der Hoffnung (2019).

    CHRISTIANE TIETZ ist seit 2013 Professorin für Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich. Unter anderem setzt sie sich in ihrer Forschung schwerpunktmässig mit den Verhältnisbestimmungen von Religion und Politik, der Ökumene sowie Fragen klassischer Dogmatik auseinander. Bekannt ist Christiane Tietz u.a. für ihre biographischen Werke Karl Barth – ein Leben im Widerspruch (2018) und Dietrich Bonhoeffer – Theologe im Widerstand (2013).

   17.15 Abendgebet mit Brüdern aus Taizé

   17.45 Schlussbemerkungen