«WACHET UND BETET»

Spiritualität, Mystik und Gebet in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Unruhe

Klicken Sie hier, um die aktuellen Vorträge zum zehnten Thema Gebet und Politik in Zeiten des Endes anzuschauen

Anstelle der Konferenz in Fribourg macht das Studienzentrum für Glaube und Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ökumenische Studien und der Communauté de Taizé„wachet und betet“ online zum Fokusthema der nächsten zwei Monate. Die Hauptvorträge, ausgewählte Vertiefungsreferate der Breakout-Sessions sowie einige Einführungen in entsprechende Gebetsformen werden auf Video aufgezeichnet und ab Mai bis Ende Juni wöchentlich online zur Verfügung gestellt. Zudem werden einige Termine angeboten, an denen man in Internet-Live-Events mit den Referierenden über ihre Referate ins Gespräch kommen kann. Um diese Ressourcen in dieser herausfordernden Zeit möglichst vielen Personen zugänglich zu machen, sollen die erwähnten Inhalte kostenlos und frei zur Verfügung gestellt werden. Der Zugang zu den Inhalten erfolgt auf unserer Website und über das Abonnement des Newsletters, der im Mai und Juni wöchentlich versandt wird. Normalerweise finden die Studientage Deutsch, Französisch und Englisch statt. Dies wird nun leider online nicht durchführbar sein; die Inhalte werden lediglich auf Deutsch aufbereitet.

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"wachet und betet" von Mai bis Juni 2020

mit Frère Alois, Silvianne Aspray, Hans Boersma, Peter Bouteneff, Fulbert Steffensky, Peter Zimmerling, Frère Richard und vielen weiteren Referentinnen und Referenten.

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Einführungsreferat von Prof. Dr. Ralph Kunz

 

Auferstandener Christus,

du hauchst über uns alle

wie einen leichten Wind deinen Heiligen Geist

und du sagst zu uns: "Friede euch allen".

Deinen Frieden annehmen,

sich von ihm durchdringen lassen

bis in die rauen Steinwüsten unseres Herzens,

heißt sich darauf vorbereiten,

zu Trägern der Versöhnung zu werden,

dort, wo du uns hingestellt hast.

Doch du weißt, wie hilflos

und unvorbereitet wir manchmal sind.

Komm und gib,

dass wir in Stille warten

und so unter den Menschen

einen Hoffnungsstrahl durchscheinen lassen.

Frère Roger, Taizé

 

Blog-Artikel von Oliver Dürr

Die derzeitige Corona-Pandemie ist eine globale Krise und sie fordert uns alle heraus. Krisen lösen bei unterschiedlichen Menschen zurecht verschiedene Reaktionen aus: So können die persönlichen, wirtschaftlichen und politischen Folgen der Krise zu Verunsicherung, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung führen, – und zwar mit gutem Grund, denn kein Mensch kann die mittel- und langfristigen Folgen der heutigen Entwicklungen wirklich abschätzen und entsprechende Prognosen müssen uns suspekt vorkommen. Gleichzeitig inspirieren dieselben Herausforderungen auch neue und ermutigende zwischenmenschliche Initiativen, wissenschaftliche Kooperationen und politische Projekte, die in dieser Form bisher undenkbar gewesen wären. Schlussendlich geschieht im Moment der Krise aber auch eine unverhoffte Klärung der Prioritäten, die in der zerstreuten Geschäftigkeit unseres Alltags sonst kaum gelänge: Es wird auf einmal deutlich, wie vieles wir aus unserem Lebensplan ziemlich verlustfrei streichen können – und umgekehrt wird der Wert von vielem deutlich, worauf wir in der Krise verzichten müssen.

So erinnern wir uns unmittelbar an das, was wirklich wichtig ist: Gemeinschaft, Familie, Freunde, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Güte, Friede, praktische Unterstützung für hilfsbedürftige Menschen, Solidarität – und in all diesen Menschen und durch all diese Werte: Gott. Aber dieser Gott offenbart sich dem christlichen Glauben nicht nur direkt im Guten und Schönen, vielmehr muss sich dies bewähren in Trauer, Leid und Tod – in der Krise. Dieser Gott ist zugleich nah und dennoch schwer zu fassen, wo aber Gefahr ist, wächst auch das Rettende.

So kennt auch Jesus Christus diesen schmerzvollen Weg und es ist seine Auferstehung (die wir in der österlichen Freudenzeit feiern), die jenes Leiden transformiert und in ein neues Licht stellt. Entsprechend kennt der christliche Glaube von seinen Ursprüngen her bereits die Tradition des Memento mori: Gedenke Mensch, dass auch du einmal sterben musst (vgl. Ps 90,12). Wo diese Spiritualitätslinie nicht im Sinne einer zynischen Gleichgültigkeit oder im Zuge einer leeren Selbstverbesserungsideologie ausgelegt, sondern von einem robusten Glauben an die Auferstehung zehrt (und zwar Auferstehung derjenigen Welt in Raum, Zeit und Materie, innerhalb derer wir Menschen existieren), da wird sie uns in unserer heutigen Situation zur Quelle des Glaubens und der Hoffnung. In der grössten Krise erweist sich je neu die tragende Kraft Gottes, ja selbst der Tod wird verschlungen vom Sieg (vgl. 1 Kor 15,55).

Also ist die Aufforderung Jesu an seine Jünger im Garten Gethsemane, «Wachet und betet» (Mt 26,41), zwar ursprünglich in die tiefste Nacht der Ungewissheit hineingesprochen, wir aber haben heute die nachösterliche Gnade bereits empfangen. Unser Gethsemane ist schon ins Licht der ewigen Morgenröte getaucht und wir durchleben die Krise unserer Zeit im Zeichen der Auferstehung. Jesus Christus ist auferstanden und mit ihm ist der Welt ein unverlierbares Leben geschenkt. Es ist nun der Auftrag der Kirche, dieses neue Leben in unserer Gegenwart, das heisst nicht zuletzt im Kontext der Corona-Krise, zu inkarnieren, zu konkretisieren und ihm eine für die Welt greifbare Gestalt zu geben.

Von Oliver Dürr, Diplomassistent bei Prof. Dr. Barbara Hallensleben am Lehrstuhl Dogmatik & Theologie der Ökumene der Universität Fribourg