Medienmitteilung15.03.2019

Religionspolitische Tagung an der Universität Fribourg


Religion – für die einen ist sie eine existenzielle Dimension des Lebens, für die anderen ein längst überholtes Relikt aus der Vergangenheit. An einer Tagung in Fribourg debattierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und verschiedener (a)religiöser Organisationen über die Rolle, die Religion und Glauben heute in der Öffentlichkeit zusteht. Angeregt diskutiert wurde die Frage des Verhältnisses von Kirche und Staat. 

Zürich, 15. März 2019(DB) – Religionsgemeinschaften leisten wichtige Beiträge für das Gemeinwohl und die gesellschaftliche Entwicklung. Zu nennen sind neben vielem mehr beispielsweise die zahlreichen Angebote, die verschiedene Kirchen hierzulande zur Unterstützung der rekordhohen Zahl von Flüchtlingen in den letzten Jahren initiiert haben. Nach wie vor ist Religion für Menschen in der Schweiz eine wichtige Grundlage für ihr gesellschaftliches Engagement. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, die Religion zwar noch als private Option tolerieren, ihr aber keine öffentliche Anerkennung mehr zugestehen. Kurz: Religion provoziert.

«Mit ‹stummer Andersheit› kann man nicht umgehen. Deshalb zielen die Menschenrechte – und gerade auch die Religionsfreiheit – darauf ab, dass Menschen ihre Überzeugungen frei und öffentlich artikulieren können.» Professor Heiner Bielefeldt, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, bezog an einer Tagung an der Universität Fribourg Stellung für die öffentliche Präsenz von Religion. Er gab zu bedenken: «Ein Staat, der religiöse Fragen in die Privatsphäre abdrängt, verletzt damit die Religionsfreiheit.»

Engagierte, mitunter kontroverse Podiumsdiskussion

Diese Tendenz stellte EVP-Nationalrätin Marianne Streiff auf dem Podium fest: «Es wird heute schon fast als übergriffig dargestellt, wenn man seine Religiosität noch öffentlich zeigt.» Auch Andreas Kyriacou von der Freidenker-Vereinigung gesteht Religionsgemeinschaften ihren Platz in der Öffentlichkeit zu. Ihn stört aber die Sonderstellung der Landeskirchen. Der Staat solle religiöse Organisationen gleich behandeln wie andere zivilgesellschaftliche Akteure, beispielsweise Umweltschutzorganisationen. Für Nationalrat Gerhard Pfister wäre es durchaus reizvoll zu sehen, wie die Landeskirchen sich ohne staatliche Gelder schlagen würden. «Es würde sie möglicherweise aus einer gewissen Bequemlichkeit herausholen.»  

Neben Referaten und Podiumsdiskussion vertieften die Teilnehmer an der von der Universität Fribourg und der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA organisierten Tagung die Rolle von Religion in der Öffentlichkeit in verschiedenen Workshops. Diskutiert und Lösungsansätze skizziert wurde etwa zu den Fragen, ob und wie sich religiöse Vertreter zu assistiertem Suizid äussern sollen und wie sich die häufig in die Sektenecke geschobenen Freikirchen von dieser Diskriminierung befreien können.

Bildlegende: Illustres Podium mit (v.l.n.r.) EVP-Nationalrätin Marianne Streiff, Freidenker-Präsident Andreas Kyriacou, Moderator und SEA-Generalsekretär Marc Jost, Professor Heiner Bielefeldt, SP-Nationalrat Eric Nussbaumer sowie CVP- Nationalrat Gerhard Pfister.
Bildquelle: Schweizerische Evangelische Allianz SEA