Publikationsdatum07.10.2020

Neue Massnahmen gegen sexuelle Belästigung für Medizinstudierende


Die Universität Freiburg hat für ihre Medizinstudierenden ein Pilotprogramm zur Prävention von sexueller Belästigung und Sexismus während der Praktika entwickelt. Initiiert wurde dieses innovative Projekt von allen drei Institutionen (HFR, RFSM, Unifr), die zukünftige Ärzt_innen ausbilden. Es soll daran erinnern, dass sexuelle Belästigung und Sexismus nicht toleriert werden und dass innerhalb des Masterstudiengangs Medizin ein respektvolles Ausbildungsklima gewährleistet werden muss.

Mehrere Umfrageergebnisse – u.a. in der Westschweiz – weisen auf eine Problematik der sexuellen Belästigung bei Praktikant_innen der Medizin hin. Anlässlich einer Umfrage unter Unifr-Medizinstudierenden wurden echte Bedürfnisse geäussert, da 92% von ihnen bereits von sexueller Belästigung in Spitälern gehört haben und 54% befürchten, während ihrer zukünftigen Praktika damit konfrontiert zu werden.

Die Universität Freiburg (Unifr), das freiburger spital (HFR) und das Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit (RFSM) wollen nicht zuerst Fälle von sexueller Belästigung und Sexismus abwarten, sondern proaktiv handeln. Dazu haben Sie ein Pilotprogramm mit drei Schwerpunkten ins Leben gerufen: Ausbildung, Information und Begleitung.

  • Der Ausbildungskurs wird neue Master-Studierende in Medizin für dieses Thema sensibilisieren. In Form eines Theater-Forums sollen Studierende befähigt werden, als Zeugen oder Opfer damit umgehen zu können.
     
  • Eine Informationskampagne wird in den Gebäuden aller drei Partnerinstitutionen des Masters in Medizin (HFR, RFSM, Unifr) sowie in den Arztpraxen durchgeführt, um die inner- und ausserinstitutionellen Strukturen sichtbar zu machen, die den Studierenden helfen können. Diese Kampagne informiert auch die Dozierenden, das Ausbildungspersonal in den Spitälern und jenes in den Arztpraxen über die Gesetze und Richtlinien betreffend den Masterstudiengang. Über den QR-Code auf den Plakaten ist zudem eine Website verfügbar, die alle notwendigen Informationen über das Pilotprogramm sowie über sexuelle Belästigung und Sexismus während der Praktika enthält (www.unifr.ch/go/imf-respect).
     
  • Medizinstudierende sind während ihrer gesamten Ausbildung verschiedenen Behörden unterstellt, was rechtliche Besonderheiten im Falle sexueller Belästigung zur Folge hat. Um den Opfern die Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen auszutauschen und sie zu begleiten, wurde mit den Medizinstudierenden des neuen Vereins CLASH-Freiburg (Kollektiv zur Bekämpfung sexistischer Haltungen in Krankenhäusern, frz. Collectif de lutte contre les attitudes sexistes en milieu hospitalier) eine gemeinsame Anlaufstelle inkl. Hotline eingerichtet. Diese Vertrauensstelle ermöglicht es Medizinstudierenden, gleichberechtigt und in völliger Vertraulichkeit miteinander zu sprechen. Als ausserinstitutionelle Struktur hat CLASH-Freiburg den Auftrag, betroffene Personen an die entsprechenden Fachstellen weiterzuleiten. Über ein Online-Formular sammelt CLASH-Freiburg auch anonyme Erfahrungsberichte. Dieses Formular ist über den QR-Code auf den Kampagnenposter zugänglich.

Diese drei Schwerpunkte entsprechen somit den von den Medizinstudierenden geäusserten Bedürfnissen. Sie ermöglichen es, alle an der Ausbildung von Studierenden beteiligten Personen zu erreichen. Das Pilotprogramm hebt bestehende Strukturen hervor und ermöglicht mithilfe der ausserinstitutionellen Vertrauensstelle und dem Online-Formular für Erfahrungsberichte ein zielgerichtetes und wirksames Handeln.

Auch für die gesamte Universität
Da jede Fakultät ihre eigenen Besonderheiten hat, lanciert das Rektorat der Universität Freiburg auch seine eigene Sensibilisierungskampagne. Diese richtet sich an die gesamte Universitätsgemeinschaft und soll allen weiterhin einen fürsorglichen und respektvollen Rahmen für Studium und Arbeit bieten. Mit dieser Kampagne bekräftigt die Universität Freiburg ihre Bereitschaft, Studierende, Doktorierende, die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Dozierende sowie technisches und administratives Personal zu schützen. Damit erinnert sie an ihre Politik der Nulltoleranz gegenüber solchem Verhalten. Vor diesem Hintergrund hat sie 2018 eine Ombudsstelle eingerichtet, die unter anderem auch als Anlaufstelle für Opfer und Zeugen sexueller Belästigung dient und diese unterstützt und begleitet.

Die Kampagne wird in gewisser Weise weitergeführt, um auch künftig bewusst dieses Tabuthema anzusprechen. In diesem Herbst konzentriert sie sich auf drei Plakate, die die immer gleiche zentrale Botschaft vermitteln: Gemeinsam gegen sexuelle Belästigung und Sexismus. Zudem wird am 20. Oktober eine Veranstaltung (Living Library) stattfinden, wo engagierte Personen von ihren Erfahrungen berichten.

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