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Das Mediävistische Institut der Universität Freiburg organisiert alle zwei Jahre ein interdisziplinäres Kolloquium, bei dem Forscher und Spezialisten zusammen gebracht werden, um sich mit einem bestimmten mediävistischen Forschungsthema zu beschäftigen. Die Tagungsakten werden jeweils in der institutseigenen Reihen Scrinium Friburgense beim Reichert Verlag Wiesbaden publiziert.

 

  • 2017 – Belles Lettres: Figurationen des Schreibens im Mittelalter

    4.–6. Oktober 2017

    Das Interesse des Colloquiums gilt der handschriftlichen Seite als Raum des Dialogs, des Austauschs und der Wechselwirkung zwischen ihrer Bedeutung (signifié) und deren graphischer Gestaltung (signifiant), zwischen Inhalt und Form. Das Interesse gilt den schrift-bildlichen Figurationen und Systemen des Mittelalters (vom 8. bis 15. Jh.), wobei nicht nur deren ästhetische Absichten in den Blick kommen sollen, sondern auch die moralischen, ideologischen, politischen und spirituellen, die auf sie Einfluss nehmen. Carmen figuratum, Devise, Anagramm, Bildlegende, Ideogramm, titulus, verschlüsselte Signatur, Akrostichon, Bustrophedon und Bildgedicht werden im Mittelpunkt des Nachdenkens über die vielfältigen Lesemöglichkeiten stehen, die jede Art von Korrelation zwischen Texten und ihren Figurationen bietet. Das Colloquium, dessen Gegenstand interdisziplinäre Ansätze nahelegt, wendet sich an Mediävistinnen und Mediävisten, die sich mit Schrift als Aufzeichnungssystem und den Wechselwirkungen zwischen Form und Inhalt von Aufzeichnungen auf den Gebieten der Geschichte, der Philosophie, der Kunstgeschichte, der Paläographie, der Kodikologie, der Musikologie und der lateinischen oder volkssprachigen Sprachen und Literaturen befassen.

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  • 2015 – Theorien des kreativen Aktes im Mittelalter

    7.–9. September 2015

    Das Kolloquium untersucht die mittelalterliche Wahrnehmung und Vorstellungen zur Rolle des Künstlers und Schriftstellers, so wie vom Wesen des kreativen Aktes. Wenn Gott der ultimative Schöpfer ist, sollte die menschliche Kreativität als Teil des Gottesbildes und die menschlichen künstlerischen Leistungen als Teilhabe am Göttlichen verstanden werden? 

    Oder stellen jene, welche sich darum bemühen etwas zu kreieren, um sich das Göttliche anzueignen, eine gefährliche Anmassung zur Schau und formen Werke, die wie Idole, die Menschen von ihrer Verehrung Gottes abhalten?

    Mittelalterliche Autoren und Künstler konnten ihre Aktivitäten durch den Appell an die Tradition verteidigen: ein kreatives Werk gewann an Glaubwürdigkeit, wenn es sich auf ein vorher geschaffenes Werk bezog, welches bereits Akzeptanz und Anerkennung erfahren hatte. So wiederholten Maler die Kompositionen, Themen und Farben von früheren Malern, Philosophen zitierten ausführlich aus den Werken klassischer Denker, Poeten übersetzten und stellten die Texte von Chronisten und Kommentatoren und anderer Poeten zusammen, ob in Latein verfasst oder in den Volkssprachen. Alternativ dazu, oder häufiger noch zusätzlich, reklamierten Künstler für ihre Werke eine direkte göttliche Absicherung: z. B. wenn gewisse Frauen im Mittelalter versuchten, Hindernisse, die sie aufgrund ihres Geschlechtes erfuhren, zu überwinden, indem sie ihre Texte als visionär rechtfertigten, die ihnen direkt von Gott eingegeben worden seien.

    Es wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass es im Spätmittelalter eine Veränderung von Status und Funktion des Künstlers gibt. Während er zuvor mehrheitlich anonym blieb und seine Bedeutung heruntergespielt wurde, so wurden nun die individuellen Fähigkeiten und der Status als Künstler stärker gewichtet. Im Bereich der Malerei wird immer wieder Giotto als erstes Beispiel für einen Künstler angeführt, der für seinen eigenständigen kreativen Beitrag wertgeschätzt wurde und in der Literatur ist es die Selbstdarstellung von Chaucer als Übersetzer, Kompilator und Kommentator, welche die Einstellung parodiert, nach der der Poet den Status eines ,Urhebers‘ von sich weist, indem er sich an die Traditionen klammert.

    Hat die Forschung übertrieben, in dem sie ein solches Bild vom Künstler im Spätmittelalter zeichnet? Handelt es sich um eine unzulässige Vereinfachung, einen spätmittelalterlichen Heldenkult des Künstlers und der individuellen künstlerischen Kreativität zu proklamieren, welche den Weg zur Renaissance oder zu neuzeitlichem Verhalten bereitet hätte? Auf diese Fragen soll das geplante Kolloquium Antworten suchen.

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  • 2013 – Heilige Portulane. Die Sakralgeographie der Seefahrt im Mittelalter

    2. - 4. September 2013 

    Die internationalen TeilnehmerInnen des Kolloquiums beleuchteten das Meer als Vermittler von Ökonomie, Kultur und künstlerischem Austausch und als dynamischen Raum transkultureller Begegnungen von verschiedenen Standpunkten. Der Fokus war dabei nicht nur auf die Menschen gelegt, die sich auf ihm bewegten, wie Seefahrern, Pilger oder Handelsreisenden, sondern auch auf die Bewohner der Küsten und ihrer Wahrnehmung des Handlungsraumes.

    Ein spezieller Schwerpunkt wurde auf die Art und Weise gelegt, mit der die Menschen ihre Gefühle und Erwartungen an die Küstenlandschaften projizierten. Kaps, Ankerplätze, Buchten und Felsen waren unentbehrliche visuelle Wegweiser und nicht selten mit religiösen Bauwerken ausgezeichnet, die zum Teil an schwer zugänglichen Orten lagen. Die Küsten des Mittelmeeres und diejenigen des atlantischen Ozeans waren punktiert mit einer ununterbrochenen Abfolge von Heiligtümern, die von den Seeleuten als eine in sich geschlossene Sakralgeographie wahrgenommen wurden. In den „Sainte Parole“, einer Litanei, die bei Seenot durch die Besatzung und die Passagiere der Schiffe verwendet wurde, war neben einer Anrufung Gottes und der Hauptheiligen auch eine Liste von Heiligtümern enthalten, die sich an den Küsten des Mittelmeeres von Ägypten bis nach Spanien und weiter über die Atlantikküste bis nach England erstreckten. Eine Auswahl dieser heiligen Stätten wurde durch entsprechende Beiträge am Kolloquium besprochen.

    Das Kolloquium versuchte neue methodologische Ansätze für das Studium des Meeres in seiner religiösen und kulturellen Dimension herauszuarbeiten, in dem es einen Dialog zwischen den folgenden Disziplinen förderte: Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie, Kirchengeschichte, kulturelle Anthropologie, Rechtsgeschichte und mittelalterliche Sprachen und Literaturen.

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  • 2012 – Papst Johannes XXII: Voraussetzung und Wirkungen seines Pontifikats

    26. - 28. März 2012

    Trotz der grossen Bedeutung dieses Papstes ist die Forschung über ihn defizitär. Eine Monographie zu ihm gibt es nicht. Eine nicht geringe Anzahl von Monographien und von Aufsätzen beleuchten Teilaspekte seines Wirkens, ohne dass ein Gesamtbild über ihn vorhanden wäre. Die grosse Fülle an Handlungsfeldern, von Einflüssen, von Wirkungen, von Gegnerschaften macht es offensichtlich schwer, eine zusammenführende Darstellung zu präsentieren. Mehr noch als andere Päpste ist Johannes XXII. zum kontroversen Objekt der mediävistischen Forschung geworden.

    Auf dem Kolloqium sollen deshalb die in den letzten Jahren entwickelten Konzepte von Kommunikationsformen, Netzwerkbildungen, Raumerfassungen, Verfahrensmodi, Rechtsansprüchen, theologischen Innovationen und politischen Ambitionen erarbeitet werden, die das mittelalterliche Papsttum als Institution kennzeichneten und somit von einer biographisch orientierten Sichtweise abheben. Untersucht werden sollen vor allem Strukturmerkmale des Pontifikates Johannes' XXII.

    Das Kolloquium versucht einen Dialog zwischen den folgenden Disziplinen zu fördern: Geschichte, Philosophie, Kirchengeschichte, Theologie, Rechtsgeschichte, Kunstgeschichte, Politik und Kirchenpolitik.

    Die Organisation des Kolloquiums obliegt dem Direktor des Mediävistischen Instituts Prof. Dr. Hans-Joachim Schmidt und dem Geschäftsführer Martin Rohde. Für das Kolloquium wurden 17 internationale SpezialistInnen ausgewählt, die verschiedene Fachbereiche der Mediävistik abdecken und vorzugsweise mit interdisziplinärem Ansatz arbeiten.

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  • 2009 – Repräsentationsformen und Konzeptionen des Raums in der Kultur des Mittelalters

    19. – 21. Oktober 2009

    Der Raum - zugleich Umgebung, Behältnis und zu überschreitende Grenze - bestimmt zutiefst die menschliche Erfahrung. Das gilt ebenso für die Kultur: jede Zivilisation entsteht in Beziehung zu einem oder mehreren spezifischen Räumen. Obwohl universal zu verstehen, entfaltet sich der Bezug zum Raum je nach den Auffassungen, welche Harmonie oder Gegensätze einer bestehenden Kultur ausdrücken und die sich entsprechend ihrer Eigenart, der erfahrenen Einflüsse oder der jeweiligen Interessen unterscheiden. Die wissenschaftliche Rekonstruktion des Raumverständnisses einer bestimmten Kultur und Epoche verlangt eine differenzierte Annäherung und ebensolche Kompetenzen, welche nur ein interdisziplinäres Ansatz leisten kann.

    Im Laufe der letzten Jahre ist die Dimension des Raumes in der mittelalterlichen Kultur wiederentdeckt worden, was sich in zahlreichen Forschungsprojekten und Publikationen deutlich offenbart. Unter den zuletzt erschienenen sind hervorzuheben: Raum und Raumvorstellungen im Mittelalter (hg.v. J. A. Aertsen - A. Speer, Berlin 1998), Raumerfassung und Raumbewusstsein im späteren Mittelalter (hrsg.v. P. Moraw, Stuttgart 2002), Uomo e spazio nell'alto Medieoevo (Spoleto 2003), Virtuelle Räume. Raumwahrnehmung und Raumvorstellung im Mittelalter (hg. v. E. Vavra, Berlin 2005), Constructions de l'espace au Moyen Age: pratiques et représentations (Paris 2007). Diese Publikationen haben mit ihren gleichermassen historischen, soziologischen und philosophischen Ansätzen dazu beigetragen, in vielerlei Hinsicht neue und wichtige Erkenntnisse zu gewinnen.

    Diese Vorstösse haben zwar zahlreiche neue Perspektiven eröffnet, aber es bleibt noch immer ein weites Feld zu erforschen. Das Ziel dieses Kolloquiums ist es, die Forschung und den interdisziplinären Dialog fortzusetzen und insbesondere die Bedeutung des Begriffs sowie die Erfahrung des Raumes in der Kultur des lateinischen Mittelalters zu ergründen.

    Das Kolloquium versucht einen Dialog zwischen den folgenden Disziplinen zu fördern: Geschichte (soziale und politische Praxis des Raumes), Philosophie (Theorie des Raumes und des Ortes, ihre Quellen und ihre Entwicklung), Kunstgeschichte (Darstellung des Raums in der Malerei und der Architektur), Geographie (Organisation der Territorien, Kartographie), Literatur und Linguistik (literarische Darstellungen, Gebrauch der Sprachen in unterschiedlichen Gebieten), Politik und Kirchenpolitik (Raum zur Machtausübung), Mentalitätsgeschichte (Bezug zu profanem und sakralem Raum) und Musik (musikalische Intervalle, Räume der Stille).

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  • 2007 – Die Tradition der Sprichwörter und Exempla im Mittelalter

    15. – 17. Oktober 2007 

    Die Tradition der Sprichwörter, gelehrter oder volkssprachlicher Art, stand im Mittelalter in enger Beziehung mit der Tradition der Exempla. Der Zusammenhang zwischen Exemplum und Sprichwort ist nicht unbedeutend, im Gegenteil, es handelt sich um eine verwandtschaftliche Beziehung: ein Sprichwort kann eine Erzählung hervorbringen und eine Erzählung kann ein Sprichwort generieren.

    Diese beiden Traditionen haben alte und identische Wurzeln. Auf der einen Seite steckt in ihnen das Erbe der klassischen Antike und auf der anderen dasjenige der christlichen Literatur. Eine weitere Quelle sollte man nicht vernachlässigen: die volkssprachliche Tradition, die im Mittelalter einen Schatz an Sprichwörtern und populären Erzählungen lieferte.

    Die Sammlungen von Sprichwörtern und Exempla waren in alphabetischer, logischer oder thematischer Reihenfolge geordnet. Für den mittelalterlichen Autor waren die Sprichwörter und Exempla Techniken im Dienst des Diskurses, und so wurden sie auch meistens gebraucht. In den politischen Texten, im speziellen in den Fürstenspiegeln, verdichteten und illustrierten sie die politische Theorie; in den historischen Texten dienten sie als ethische Modelle oder als eine Art der verdichteten Moral. Auch wenn die volkstümlichen Sprichwörter durch die Rhetorik-Handbücher verboten waren, so war ihre Anwendung in Predigten ebenso beliebt wie diejenige von Exempla. Sie hatten einen engen Bezug zur Ikonographie, zum Beispiel der Überlieferung der Aesopschen Fabeln. Man kann sagen, dass Erzählungen und Sprichwörter in allen mittelalterlichen Kulturen präsent waren.

    Während des 20. Jahrhunderts hat sich die Untersuchung der Herkunft der Exempla und der Sprichwörter sehr stark weiterentwickelt. Dennoch wurden die beiden Traditionen oft getrennt behandelt. Das geplante Kolloquium versucht eine andere Herangehensweise in dem es das parallele Studium der beiden unternehmen möchte.

    Welches Erbe hat der Westen von der arabischen Welt übernommen? Welche Veränderungen hat diese Tradition aufgrund ihrer Adaption an ein christliches Milieu erfahren? Welches waren die Produktionsorte der Überlieferung der Sprichwörter und der Exempla in Europa? Welche Zusammenhänge gibt es zwischen den verschiedenen Regionen Europas? Welche gemeinsamen und welche spezifischen Sammlungen gibt es? Wie sah der Gebrauch dieser Sammlungen aus? Welchen Einfluss hatten sie auf die mittelalterliche Kultur? Diese fundamentalen Fragen scheinen besonders geeignet für ein interdisziplinäres Colloquium.

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  • 2006 – Laster im Mittelalter

    20. - 22. Februar 2006 

    Auch Laster haben eine Geschichte. Für Historiker stellt sich die Frage, wie diese in ihrer Zeit beschrieben und verstanden wurden. Laster wurden im Mittelalter systematisch geordnet. Es wurden Hauptlaster bestimmt, die als Wurzel für andere Laster angenommen wurden, welche wiederum neue Laster hervorbringen konnten. Sie wurden einerseits als Sünden verstanden, dienten aber auch ganz allgemein der Beschreibung der menschlichen Leidenschaften und Handlungen. Darstellungen und Beschreibungen von Lastern berührten nahezu alle Bereiche der mittelalterlichen Kultur und die daraus resultierende uferlose Literatur erschliesst nicht selten ein lebendiges Bild der Wünsche und Ängste des mittelalterlichen Menschen, beschreibt aber auch das gesellschaftliche Leben im Mittelalter.

    Eine Geschichte der Laster geht von der Feststellung aus, dass sich Laster im Laufe der Zeit immer wieder gewandelt haben. Selbst wenn Lasterkataloge über Jahrhunderte tradiert wurden und sich nur durch geringe - wenn auch signifikante - Änderungen unterscheiden, werden die Vorstellungen der Laster immer wieder mit neuen Inhalten gefüllt und einem neuen Weltbezug angepasst. Die Laster eines Wüstenmönches unterschieden sich von den Lastern eines Theologen an den mittelalterlichen Universitäten. Dasselbe Laster wandelte sich somit im Laufe der Zeit und wurde den Aufgaben und Pflichten der Adressaten angepasst. Die Beschreibung der Laster wandelte sich aber nicht nur im Laufe der Zeit, sondern passte sich auch den jeweiligen Bedürfnissen an. Beichtspiegel, die der Erbauung und der Prüfung der Sünden von Laien dienten, unterscheiden sich von zeitgleichen Abhandlungen in theologischen Summen. Literarische Verarbeitungen in der Volksprache enthalten andere Inhalte als ikonographische Ausdeutungen in der bildenden Kunst.

    Das "Freiburger Colloquium 2006" des Mediävistischen Instituts der Universität Freiburg widmet sich in erster Linie der langen Tradition der sieben (bzw. acht) Todsünden. Die geplante Tagung wäre das erste internationale Kolloquium zu diesem Thema. Es würde ermöglichen, aus verschiedenen Fachgebieten unterschiedliche Aspekte auszuleuchten. Die Zahl der eingeladenen Gäste wird auf 14 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen beschränkt, wobei eine Auswahl von international renommierten Fachpersonen für die beantragte Tagung gewonnen werden konnte. Es wurde darauf geachtet, dass verschiedene mediävistische Fachgebiete vertreten sind und nicht nur Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eingeladen werden, die sich auf "Laster" spezialisiert haben, sondern auch Forscher und Forscherinnen angefragt wurden, die zu bestimmten Sachgebieten und Autoren gearbeitet haben, die für unser Thema aufschlussreich sind.

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    Wissenschaftlicher Abschlussbericht