Alte Sprache / Übung: "Petrus schreibt aus Babylon". Griechische Lektüre von 1+2 Petr. Sprachkurs.
UE-TTH.00105

Dozenten-innen: Lau Markus
Kursus: Master
Art der Unterrichtseinheit: Sprachkurs
ECTS: 1
Sprache-n: Deutsch
Semester: SA-2018

Der Apostelfürst Petrus meldet sich innerhalb des Neuen Testaments nicht nur mit Reden, von denen die Apg erzählt, mit vollmundigen Versprechen im Blick auf seine Treue zu Jesus, von denen die Evangelien erzählen, sondern auch mit zwei Briefen selbst zu Wort. Er schreibt sie aus „Babylon“, offenkundig einer Chiffre für die Hauptstadt des Imperium Romanum, Rom. Adressiert sind im Falle des 1. Petr Diasporagemeinden in römischen Provinzen wie Galatien, Kappadokien, Asien und Bithynien, im Falle des 2. Petr schlicht alle, die einen „uns gleichwertigen Glauben erlangten“. Das ist, so ein breiter Konsens in der ntl. Exegese, literarische Fiktion vom Ende des 1. bzw. aus der ersten Hälfte des 2. Jh., die sich die Autorität des Apostels „leiht“, um eigene theologische Optionen mit Nachdruck zu kommunizieren.

Inhaltlich spannend sind die Briefe gleichwohl – oder vielleicht auch gerade deshalb: Müht sich der kürzere 2. Petr erkennbar darum, die Adressaten des Briefes gegen sog. Irrlehrer zu immunisierern, deren theologische Optionen der Brief in Bausch und Bogen verurteilt, kreist der 1. Petr um das Problem, die Folgen des göttlichen Erwählungshandelns an den Adressaten im Blick auf das neue Weltverhältnis der von Gott auf diese Weise Erwählten zu moderieren. Vereinfacht gesagt: Welches Maß an Distanz und Entfremdung zur Welt oder an Inkulturation und „Ver-weltlichung“ ist angezeigt? – ein auch bis in heutige Debatten hinein wichtiges Thema.

In unserer Übung lesen und übersetzen wir in bewährter Form die einzelnen Briefabschnitte jeweils versweise und versuchen die Texte abschließend inhaltlich zu kommentieren.


Lernziele

Die Studierenden können ihre Griechischkenntnisse anwenden und vertiefen.

Die Studierenden lernen Aufbau und inhaltliche Spezifika der Petrusbriefe kennen und können diese als Zeugnisse für die Entwicklung frühchristlicher Theologie und Apostolatskonzeptionen interpretieren.

 


Dokumentation

Novum Testamentum Graece, hrsg. v. K. Aland/B. Aland, Stuttgart 282012.

F. Rienecker, Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament, Gießen 201997.

K. M. Schmidt, Mahnung und Erinnerung im Maskenspiel. Epistolographie, Rhetorik und Narrativik der pseudepigraphen Petrusbriefe (HBS 38), Freiburg i. Br. 2003.

T. J. Bauer, Paulus und die kaiserzeitliche Epistolographie. Kontextualisierung und Analyse der Briefe an Philemon und an die Galater (WUNT 276), Tübingen 2011.

H.-J. Klauck, Die antike Briefliteratur und das Neue Testament. Ein Lehr- und Arbeitsbuch (UTB 2022), Paderborn 1998.