Forschungsprojekte

Allgemeine Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Globalisierung und Bildung

  • Bildung als familiärer Zündstoff?

    Bildung ist ein zentraler Brennpunkt unserer Gesellschaft. Als Humankapital ist Bildung ein wichtiger Faktor des gesellschaftlichen Wandels. Umgekehrt verändert die Transformation von Gesellschaft unsere Vorstellungen von Bildung. Was Bildung ist, wird zu einem umkämpften gesellschaftspolitischen Terrain, indem Bildung sowohl zu einem wichtigen Instrument der Ökonomie, als auch zu einem Werkzeug der Humanisierung werden kann. Wir interessieren uns dafür, welche Auswirkungen diese gesellschaftlichen Veränderungen auf Familien haben. Wenn wir über Familien sprechen, meinen wir soziale Beziehungsstrukturen, die eine wichtige Grundlage für die gesellschaftlich notwendige Reproduktionsarbeit bilden. Unsere Fragen sind: Wie wird in unterschiedlichen Familienkonstellationen über das Thema Bildung besprochen? Was wird thematisiert? Was kommt zur Sprache und was nicht? Wer spricht wie über Bildung? Welche Vorstellungen von Bildung existieren in diesem Reden? Welche Ängste und Hoffnungen sind mit Bildung verbunden? Erzeugt das Thema Bildung Konflikte? Wenn ja, welche Konflikte und wie werden sie ausgetragen? Wer hat oder übernimmt Verantwortung für Bildung? Wir nehmen an, dass die gesellschaftliche Dynamik um das Thema Bildung, Druck auf Familienkonstellationen erzeugt und zu einer Reibefläche von sozialen Beziehungen wird. Das Ziel unserer explorativen Studie über Bildung ist es, gesellschaftliche Veränderungen auf der Mikroebene sozialer Beziehungen zu untersuchen.

    Weitere Informationen: Doris Gödl 

  • Postdemokratie und Citizenship

    Spätestens seit den 1990er Jahren prägt ein kritischer Diskurs über den Zustand der westlichen Demokratien die Öffentlichkeit. Gemeinsam ist diesen Analysen, dass sie auf fundamentale gesellschaftliche Veränderungen verweisen. Diese betreffen politische Steuerungsprozesse und soziale Bewegungen, das Problem der Fragmentierung der Gesellschaft und eine grundlegende Neubewertung der menschlichen Arbeit, die tief in die Organisation des privaten und öffentlichen Alltags von Menschen eingreift und Ungleichheiten verstärkt. Wie sich dies auf die Handlungsfähigkeit und das politische Subjekt auswirkt und welche Rolle Bildungsprozesse in diesem Wandel spielen, wird in Demokratieanalysen systematisch und fallbezogen analysiert.

    Weitere Informationen: Edgar Forster und Doris Gödl 

  • Die Rolle von Bildung in gesellschaftlichen Transformationsprozesse

    Im Rahmen eines Forschungsprojektes (in Kooperation mit Santa Clara University in Kalifornien) wird der Rolle von Bildung in gesellschaftlichen Transformationsprozessen nachgegangen. Als Fallbeispiele dienen die sog. "People`s Revolutions" (Serbien 2000, Georgien 2003 und Ukraine 2004), die zu einem Sturz der jeweiligen Machthaber geführt hat. Die ersten Ergebnisse der qualitativen Studie zeigen, dass (Aus)Bildung – insbesondere jene die im sogenannten Westen erworben wird – einen zentralen Stellenwert in der sozialen Mobilisierung der "neuen Eliten" einnimmt. Bildung wird als gesellschaftliches Konstrukt aufgefasst, in dem gesellschaftliche Deutungen und Normierungen wirkmächtig sind, die aber – und das ist der entscheidende Punkt – wieder umgedeutet werden können. Daraus leitet sich für uns die Frage nach dem Demokratie-Impact von Bildung in Transformationsgesellschaften ab. Wir gehen davon aus, dass ein kritischreflektiertes Verständnis von Bildung einen gesellschaftlichen Raum eröffnet, in dem bottom-up Prozesse von Demokratisierung stattfinden (können).

    Weitere InformationenDoris Gödl

  • "Tandem-Teaching" in the frame of globalization

    Education – especially implementing the Bologna Process in South East Europe (SEE) – became one main issue in transitional societies. Under the umbrella of "Academic Training Association" (Netherlands), OSCE and some local universities consecutive "International Summer Universities" were organized. A variety of courses, amongst which, the unique courses on Gender, generously funded by the OSCE were offered to students from SEE, Europe and United States. Doris Goedl from University of Salzburg, Austria and Maja Muhic from South East Europe University in Tetovo have been given a rare opportunity of tandem-teaching these courses. Being engaged in a co-teaching process, tackling the immensely important issues of Gender, education, globalisation and ethnicity in an environment of young people from all over the region, some still facing the challenges of transition, others 4 pass that phase, has proved to be a remarkable experience.

    Further informationsDoris Gödl

  • International Tribunals and the Question of Peace and Reconciliation

    Under the post-war circumstances, the role of justice cannot be replaced by something else. Inventing trials to seek the truth is an important step towards peace and justice. But post-war societies like in former Yugoslavia need more than international and domestic trials. To overcome the past these societies need an open dialogue between political elite and non-governmental organizations to move towards peace, justice and democracy. In the frame of a research project (former Yugoslavia) role and influence of International Tribunals, like the Hague, became a key role to question truth and reconciliation in post-war societies. This research focus on the tension between International Tribunals, imposed from the International Community, and the (un)willingness of domestic courts / politics to deal with past crimes. History becomes a contested societal field; the role of text-books – used in schools and universities – a "battlefield" between ethnic groups. It seems that ethnic segregation is prior to peace and reconciliation.

    Further informationsDoris Gödl

  • Migration und Multikulturalismus

    Globale Migrationsbewegungen haben in den westlichen Demokratien die Diskussion um Multikulturalismus und Integration erneut entfacht. Der Streit um das Kopftuchverbot in Frankreich, die heftige Auseinandersetzung um das Buch von Thilo Sarrazin in Deutschland oder die Kontroversen um Asyl- und Aufenthaltsrecht verweisen auf die Tatsache, dass es in Bezug auf Integration keinen gesellschaftlichen Konsens gibt. Migration und Integration sind nach wie vor gesellschaftlich umstrittene Themen, die auch in Wissenschaft und Forschung ihren Niederschlag finden. Das Forschungsinteresse richtet sich auf liberale multikulturelle Politiken, welche aus einer feministischen Perspektive diskutiert und analysiert werden.

    Weitere Informationen: Doris Gödl

Bildungsforschung mit Schwerpunkt Sozialisation und Entwicklung in Kindheit und Jugend

  • Linguistic Landscapes in der Kindertagesbetreuung

    Fallstudien zu pädagogischen Praktiken im Umgang mit Mehrsprachigkeit

    In der verfassungsgemäß vielsprachigen und von hohen Zuwanderungsraten geprägten Schweiz gilt der Umgang mit sprachlicher Diversität im Feld der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung als eine bildungspolitische Schüsselfrage. In ihr verschränken sich Bildungs- und Integrationsansprüche zur Herstellung von Chancengerechtigkeit mit Forderungen nach der Bewahrung nationaler und insbesondere auch sprachregionaler Identität auf eine vielschichtige und nicht immer leicht durchschaubare Weise. Vor allem die bilingualen und urbanen Regionen der Schweiz sind durch eine besondere Situation sprachlicher Diversität charakterisiert, weil sich dort eine mehr historisch gewachsene Bilingualität und eine aus den Migrationsströmen der letzten Jahrzehnte hervorgegangenen Vielsprachigkeit überlagern. Ziel der ethnographischen Studie Linguistic Landscapes ist es, aus einer praxistheoretischen Perspektive zu rekonstruieren, wie Institutionen der frühkindlichen Bildung und Betreuung mit dieser hoch spezifischen Situation und den daran gekoppelten Erwartungen an die Förderung sprachlicher Kompetenz umgehen. Dazu werden in einer urbanen, bilingualen Region in der Westschweiz in vergleichender Perspektive in 3 Kindertagesstätten die pädagogischen Strategien untersucht, mit denen die antizipierte Herausforderung einer diversen Sprachumgebung im institutionellen Alltag aufgegriffen werden.

    Laufzeit: Januar 2014 bis August 2015

  • Machbarkeitsstudie "Betreuungsatlas Schweiz"

    "Die Geographie betreuter Kindheit"
    In der Schweiz verdeutlicht sich wie in anderen westlichen Industrienationen ein Strukturwandel der Kleinkindbetreuung. Anders als in den 1990er Jahren werden in den 2010er Jahren immer mehr und immer jüngere Kinder außerhalb ihres Elternhauses in der organisierten Kleinkindbetreuung der Tageseinrichtungen, Spielgruppen oder der Tagespflege betreut. Zudem zeichnet sich die Schweiz durch eine starke regionale Differenzierung und Heterogenität der Angebote der Betreuung und Erziehung für nichtschulpflichtige Kinder aus. Die empirische Informationsbasis für die detaillierte Untersuchung frühkindlicher Lebens- und Betreuungsverhältnisse ist gegenwärtig stark begrenzt. Der Blick der Machbarkeitsstudie richtet sich nicht allein darauf, wie das Angebot verteilt und gestaltet ist, sondern wie es in seiner geographisch abbildbaren Disparierung die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern beeinflusst und nicht zuletzt auch durch die unterschiedliche Art der Nutzung selbst beeinflusst wird. Die Frage ist entsprechend: Wie und in welchem Ausmaß werden welche Kinder wo betreut? Die Machbarkeitsstudie orientiert sich dabei an den Konzepten einer sozialräumlichen Bildungsberichterstattung und zielt auf die ortsgebundenen Auswirkungen des institutionellen Gefüges von Betreuungseinrichtungen für die Bedingungen des Aufwachsens in der frühen Kindheit.

    Laufzeit: Dezember 2013 – August 2014
    Projektergebnisse