Publikationsdatum30.10.2019

Ein kleiner Sieg bei der Bekämpfung antibiotikaresistenter Bakterien


Einem Forscherteam ist es gelungen, antibiotikaresistente Bakterien bei einem Patienten mit Hilfe von Viren, sogenannten Bakteriophagen, vollständig zu eliminieren. Dies ist eine Premiere im Kampf gegen die Bedrohung durch resistente Bakterien.

Die Ausbreitung von antibiotikaresistenten Infektionen ist eine der grossen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Nach und nach entwickeln immer mehr Bakterienarten eine Resistenz gegen eine wachsende Anzahl von Antibiotika, und die Medizin verfügt möglicherweise bald über keine wirksamen Gegenmittel mehr. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt dass resistente Bakterien bis 2050 weltweit bis zu 10 Millionen Todesfälle pro Jahr verursachen könnten. Aufgrund dieser Situation werden neue therapeutische Alternativen gesucht.

Eine dieser Therapien stützt sich auf die Verwendung eines Virustyps namens Bakteriophage, was sich als "Bakterienfresser" übersetzen lässt. Die Produktion und Anwendung von Bakteriophagen ist technisch anspruchsvoller als die Verwendung von Antibiotika, eignet sich aber zur Bekämpfung von multiresistenten Bakterien.

Ein Team unter der Leitung von Dr. Laurent Poirel und Professor Patrice Nordmann an der Universität Freiburg hat, in Zusammenarbeit mit Teams in Italien und der Republik Georgien, einer 58-jährigen Patientin, die unter wiederkehrenden Harnwegsinfektionen durch resistente Bakterien in ihrem Verdauungssystem litt, Bakteriophagen verabreicht. Die Forscher konnten zeigen, dass die Bakterien nach der Behandlung vollständig aus dem Körper der Patientin verschwunden waren. Obwohl es mit verschiedenen Antibiotika Behandlungen nicht gelungen war, dieses Bakterium zu eliminieren, war der Einsatz von Bakteriophagen erfolgreich.

"Dies ist das erste Mal, dass Bakteriophagen nicht nur zur Behandlung von Infektionen eingesetzt werden, sondern auch zur vollständigen Beseitigung der verantwortlichen Bakterien" sagt Dr. Poirel. "Da es sich um einen Einzelfall handelt, können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine allgemeinen Schlussfolgerungen ziehen. Aber dieses vielversprechende Ergebnis wird sicher zu weiteren Studien anregen. "

Seit 2017 beherbergt die Universität Freiburg das Nationale Referenzlaboratorium zur Früherkennung und Überwachung neuartiger Antibiotikaresistenzen, welches vom Bund mit der Erkennung und Erforschung neuer Formen der Antibiotikaresistenz beauftragt wurde. "Wir arbeiten an der Identifizierung von Mechanismen der Antibiotikaresistenz, an den genetischen Prozessen die für die Übertragung dieser Resistenzgene verantwortlich sind, sowie an der Entwicklung von Diagnosetests zur Erkennung dieser Resistenzmechanismen", erklärt Dr. Poirel. "Dieses Ergebins erweitert unsere Palette von Methoden zur Behandlung von Infektionen durch die Entwicklung einer neuen und innovativen Therapie“.

Links :

Eradication of a multi-drug resistant, carbapenemase-producing Klebsiella pneumoniae isolate following oral and intra-rectal therapy with a custom-made, lytic bacteriophage preparation. Corbellino et al. 2019

NARA: Nationales Referenzlaboratorium zur Früherkennung und Überwachung neuartiger Antibiotikaresistenzen