Aktuelle Projekte

Momentan werden die folgenden Habilitations- und Doktoratsprojekte zur Theologischen Ethik bearbeitet.

  • K. Peetz: Gelebte Theologie im Friedens- und Versöhnungsprozess Ruandas

    Gelebte Theologie im Friedens- und Versöhnungsprozess Ruandas (Habilitation)

    Projektbeschreibung:

    1994 wurde Ruanda von einem Genozid erschüttert, bei dem in nur drei Monaten zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen ermordet wurden. In den Gewaltkonflikten Afrikas nimmt der ruandische Genozid eine Sonderstellung ein, weil in ihm die Konfliktlinien nicht entlang religiöser, sondern entlang ethnischer Grenzen verliefen. Die Kirchen Ruandas spielten im Genozid eine ambivalente Rolle. Viele

    Kirchenangehörige setzten sich unter Gefährdung des eigenen Lebens für Verfolgte ungeachtet ihrer ethnischen Zugehörigkeit ein. Andererseits waren Priester, Ordensleute und Laien aller größeren Denominationen direkt am Morden beteiligt, und die Kirchen als Institutionen zeichneten sich vor allem durch tatenloses Zuschauen aus. Seit dem Genozid betreibt die ruandische Regierung einen systematischen Friedensprozess, in dem sie vor allem auf nationale Einheit und Versöhnung setzt. In diesem Prozess sind die Kirchen als zivilgesellschaftliche Akteure einerseits wichtige Partner, da sie sich für Frieden und Versöhnung einsetzen, andererseits müssen sie sich ihrer eigenen Vergangenheit und Verstrickung stellen. Adressaten der kirchlichen Friedens- und Versöhnungsarbeit sind die überlebenden Opfer und Täter_innen des Genozids. Diese Menschen müssen auf engem Raum zusammenleben und versuchen, ihre Erfahrungen von extremer Gewalt (sei es als Opfer oder Täter_innen) zu verarbeiten.

    Die Fragestellung dieses Projektes lautet nun, ob und wie religiöse Ressourcen und im Besonderen die gelebte Theologie von Opfern und Täter_innen, bei dieser Verarbeitung eine Rolle spielen. Das von Jeff Astley geprägte Konzept der gelebten Theologie umfasst die theologischen Überzeugungen und Glaubensprozesse von Gläubigen, die keine theologische Ausbildung erhalten haben. Die Forschung im Bereich gelebter Theologie zeigt auf, inwiefern akademisch-theologische Konzepte für Menschen vor Ort bedeutsam und sinnstiftend sind und trägt damit zur bleibenden Relevanz von Theologie in einer sich stetig wandelnden Welt bei. Gerade weil Ruanda einen Sonderfall unter den afrikanischen Gewaltkonflikten darstellt, ist es wichtig im Projekt auch den Beitrag der Kirchen zum Friedens- und Versöhnungsprozess systematisch zu analysieren. Dieser Beitrag wird in Beziehung zu der gelebten Theologie von Opfern und Täter_innen gesetzt und in Auseinandersetzung mit der These von der Ambivalenz des Sakralen diskutiert. Das von R. Scott Appelby entwickelte Konzept der Ambivalenz des Sakralen beinhaltet, dass Religion sowohl durch ein Gewalt- und Konfliktpotential als auch durch ein Friedens- und Versöhnungspotential gekennzeichnet ist. Ob und wie sich der religiöse Rückbezug auf das Sakrale gewalt- oder friedensfördernd auswirkt, ist dabei von zahlreichen Faktoren abhängig, zu denen unter anderem das Verhalten religiöser Eliten und der Autonomiegrad religiöser Institutionen zählen.

    Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

    Dauer: 2016-2019

    Katharina Peetz

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  • W. Maruszewski: Christlich-theologische Hermeneutik des Begriffs „Ius divinum”

    „Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen?” (Mt 19,16). Die christlich-theologische Hermeneutik des Begriffs „Ius divinum” im Lichte der Geschichte des Gehorsams gegenüber dem Gesetz Gottes (Doktorat)

    In der Arbeit beschäftige ich mich mit der christlich-theologischen Hermeneutik des Gesetzes Gottes in Bezug auf die Problematik des Gehorsams. In der Geschichte der Moraltheologie sowie in der heutigen Moraltheologie gibt es ein ungeklärtes Verhältnis zwischen diesen beiden oben genannten Gebieten. Ich erforsche die Problematik des Gehorsams nicht nur gegenüber dem Gesetz Gottes, aber auch gegenüber sekulären Recht. Als Ausgangpunkt habe ich das nachsynodale Apostolische Schreiben Amoris Laetitia genommen, weil es zu vielen kontroversen Reaktionen führte. Diese Reaktionen zeigen, dass das Problem des Gesetzes noch immer aktuell und relevant ist. In der Arbeit möchte ich systematische Schlussfolgerungen zeigen, die helfen, das heutige Verständnis des Gesetzes Gottes verstehen zu können.

     

    Wojciech Maruszewski

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  • C. Reber: Staatliche Unterstützung für gesamtgesellschaftliche Leistungen

    Staatliche Unterstützung für gesamtgesellschaftliche Leistungen - Religionspolitik nach zweierlei Mass? (Doktorat)

    In religionspolitischen Diskursen und religionsrechtlichen Regelungen nehmen die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Religionsgemeinschaften mehr und mehr eine prominente Stellung ein. Das Doktoratsprojekt untersucht diese Idee gesamtgesellschaftlicher Leistungen mit Blick auf die Schweiz und fragt danach, wie sie zu beurteilen ist. Die These lautet, dass die staatliche Förderung dieser Leistungen zwar kritische Fragen aufwirft, der Ansatz aber dennoch positiv einzuschätzen ist, da er es ermöglicht die Leistungen der nicht anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaft sichtbar zu machen und diese damit – unabhängig von ihrem rechtlichen Status – in die staatliche Religionspolitik und in das begleitende Religionsrecht zu integrieren.

    Christian Reber

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  • D. Winter: Entpersonalisierte Prokreation: eine theologisch-ethische Auseinandersetzung mit dem Phänomen intendierter segmentierter Elternschaft

    Entpersonalisierte Prokreation: eine theologisch-ethische Auseinandersetzung mit dem Phänomen intendierter segmentierter Elternschaft (Doktorat; Arbeitstitel)

    Das Forschungsvorhaben nimmt eine anthropologisch-ethische Betrachtung der Fundamente segmentierter Elternschaft, d.h. aller Formen heterologer Familiengründungen infolge von Gametenspenden oder Leihmutterschaft, in den Blick. Während sich die bioethische Diskussion immer mehr mit Folgephänomenen einer im Grundsatz doch befürworteten medizinisch assistierten Reproduktion beschäftigt, will diese Arbeit diese Praxis noch einmal fundamentaler in ihren anthropologischen Implikationen in den Blick nehmen, rekonstruieren und problematisieren. Im Wesentlichen knüpft die Arbeit an die These an, dass die Ermöglichung künstlicher, ausserkorkopraler Zeugung, einer Verfügungslogik über den Menschen Tür und Tor geöffnet hat. Diese setzt nicht erst mit der Anwendung der „Genomschere“ an, sondern bereits mit der Vorstellung, ein Kind (ein anderer Mensch[!]) könne mein Anspruch oder gar mein Recht sein. Mithilfe phänomenologischer Denker des 20. Jahrhunderts soll der menschenwürderelevante Selbstzwecklichkeitscharakter für den Bereich der Reproduktionsmedizin im Allgemeinen und den Bereich segmentierter Elternschaft im Besonderen rekonstruiert werden. In einem weiteren Schritt soll ausgehend vom Phänomen der Trennung zwischen „intendierter“ und „leiblicher“ Elternschaft, der dahinterstehende Dualismus ins Auge gefasst werden. Darin geht es um die Bedeutung der Leiblichkeit für das Verständnis „prokreativer Verantwortung“ und für das Verständnis von Verantwortung überhaupt. Schliesslich muss es in Anbetracht multipler Verständnisse von Elternschaft um die Frage gehen, wie sich Elternschaft überhaupt (noch) begründen lässt und welche familienethischen und rechtsphilosophischen Implikationen dem entspringen.

    Dorian Winter

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