Soziale PhobienPublikationsdatum 26.02.2019

Hypnosetherapie und soziale Phobien


Hypnosetherapie und soziale Phobien :

Programmieren Sie Ihre Erfahrungen von Angstsituationen um!

Dieser Artikel zeigt die Wirkung von therapeutischer Hypnose bei sozialen Phobien auf.

Ein typisches Merkmal von sozialen Phobien ist die Vorwegnahme von als bedrohend oder sogar gefährlich wahrgenommenen  Situationen vor dem eigentlichen Eintreffen der Situation. Diese Situationen lösen Angst aus. Angst ist eine Emotion, die dazu da ist, uns vor Gefahr zu schützen. Sie wird in der kleinen Hirnstruktur des Mandelkerns – der Amygdala – durch eine massive Aktivierung des Nervensystems erzeugt, was sich mittels verschiedener körperlicher Symptome äussert: erhöhter Herzschlag, feuchte Hände, Engegefühl im Hals, Schwitzen und erhöhter Blutdruck. Dies führt zu ungeordneten, wirren Gedanken und unruhigen Verhaltensweisen wie z.B. Händekneten oder unruhiges Hin- und Hergehen. Die Angstgefühle können manchmal bis zur Panik oder Schockstarre gehen. Im Gehirn verläuft die schnelle und massive Aktivierung des limbischen Bereichs unbewusst und die Auslösung der Angst ist somit kognitiv nicht fassbar. Bei bereits erlebten Angsterfahrungen hat das Gehirn bestimmte Gedanken mit intensiven Gefühlen der Angst verbunden («die Leute werden sich über mich lustig machen», «ich schaffe das nicht», «ich werde sterben», usw.): Dadurch sind wir die «Gefangenen» dieser Vorprägungen, die bestimmen, was wir von bestimmten Beziehungssituationen erwarten und wie wir diese erleben. Unsere Psyche antizipiert deshalb künftige Situationen auf der Grundlage des bereits Erlebten. Die Aufgabe des menschlichen Gehirns ist es, uns zu schützen und unser Überleben zu sichern. Dazu muss es sich an Situationen erinnern, in denen wir Angst erlebt haben, um diese Situationen künftig zu meiden. Wenn Erinnerungen in unserem Gedächtnis gespeichert sind, die eine Situation mit einem Gefühl intensiver Angst verbinden, hat unser Gehirn keine wirkliche Wahl und versucht, uns vor der angstmachenden Situation zu schützen: die Situation wird gemieden. Das Vermeidungsverhalten führt wiederum zur Verstärkung der Assoziierung zwischen Situation und Angst. Mit der Angst werden dann Überzeugungen gebildet, die mit Gefahr und Machtlosigkeit verknüpft sind (z.B. «Ich kann mich gegen diese Gefahr nicht alleine verteidigen» oder «Ich schaffe es nicht, dies alleine zu bewältigen»). Und diese Überzeugungen führen wiederum zu irrationalen Gedanken, die – meist unbewusst – aktiviert werden, wenn man Angstsituationen erwartet oder sich in einer Angstsituation befindet.

Die therapeutische Hypnose hat zum Ziel, die Wahrnehmung und Interpretation einer angstauslösenden Situation im Gehirn zu verändern. Dies ist ein Lernprozess für das Hirn. Eine Überzeugung, die irgendwann in der persönlichen Vorgeschichte nützlich war, kann zwar nicht gelöscht werden, es können aber neue Überzeugungen hinzugefügt werden. Das Angstverursachende hängt meist mit den eigenen Überzeugungen zur gefühlten Unfähigkeit, diese Situationen zu kontrollieren, und dem Mangel an Ressourcen, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten, zusammen. Welche unbewussten Überzeugungen zu Kontrolle und Sicherheitsgefühl hat man in sich? Diese Fragen und ihre möglichen Antworten stehen im Mittelpunkt der hypnotischen Arbeit. Das Hauptinteresse des hypnotischen Zustandes ist die Erhöhung der Plastizität des Gehirns, womit leichter neue neuronale Verbindungen geschaffen, sensorische Informationen neu interpretiert und schließlich neue Überzeugungen geformt werden können. Therapeutische Hypnosesitzungen führen dazu, dass die Person an ihren eigenen Überzeugungen arbeitet. Die Arbeit im hypnotischen Zustand besteht darin, dem Gehirn durch die Stimulation der Phantasie mehr Wahlfreiheit zu geben, wodurch ein anderer Kontext mit neuen Wahrnehmungen geschaffen wird, und die Gefühle Machtlosigkeit und Kontrollverlust durch positive Überzeugungen ersetzt werden.

Jede Person hat einen anderen erlebten Hintergrund, andere subjektive Wahrnehmungen und andere persönliche Überzeugungen. Die Herausforderung für den Therapeuten besteht darin, die Person bei der Erforschung ihrer einzigartigen und subjektiven Art der Problembehebung zu begleiten. Ziel der Therapie ist es, irrationale Gedanken und Überzeugungen aufzudecken und durch angemessenere Gedanken und Überzeugungen zu ersetzen. Der Therapeut kann der Person in hypnotischer Trance beispielsweise vorschlagen, sich die Zusammenhänge der Angst anders vorzustellen und Vorschläge machen, wie mit den Gefühlen zu Kontrolle, Akzeptanz der Machtlosigkeit in Blick auf das Unbekannte und zum allfälligen Umgang mit dem eigenen Verhalten machen. Durch die Aktivierung der unerschöpflichen Ressourcen der Kreativität des Gehirns erfindet dieses selbst angemessenere Überzeugungen, um die Angst vor sozialen Situationen zu verringern.

Die therapeutische Hypnose stimuliert die natürliche Schöpferkraft unseres Gehirns und ist somit ein hervorragendes Instrument, mit dem wir uns zukünftige, noch unbekannte Situationen losgelöst von unseren bisherigen Vorprägungen als eine Palette von Chancen vorstellen können. Die Ressourcen des menschlichen Gehirns, sich neu zu formen, sind unglaublich beeindruckend und damit auch seine kreative Fähigkeit,  bisherige Angstsituationen umzuprogrammieren und neu zu erleben.

Xavier Sauteur, Psychologe et Hypnotherapeut

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