StressmanagementPublikationsdatum10.04.2019

Stress, Stress und Stress


Stress, Stress und Stress!

Der Begriff "Stress" steht seit den 1980er Jahren im Zentrum der Diskussion über das geistige und körperliche Wohlbefinden. Im Rahmen der psychologischen Studierendenberatung zeigt sich Stress bei den betroffenen Studierenden, die in die Beratung kommen, oft unter folgenden drei Aspekten:

Der erste Aspekt von Stress ist die biologische und neurobiologische Auswirkung auf das Studium und den Lebensstil der Studierenden. Durch die Belastung von Studium und Lebensstil leiden Schlaf und Ernährung, die Studierenden erleben Ängste. Auch andere körperliche Beschwerden können durch Stress verursacht werden wie z.B. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und ständige Müdigkeit. Viele Studierende können ihre Ressourcen zum Umgang mit Stress nicht aktivieren, auch wenn Sie eigentlich bereits darüber verfügen. Die Folge: Cortisol und Adrenalin werden nicht ausgeschieden und mit einer falschen Examensvorbereitung steigt das Risiko einer Überlastung. Bei meiner Arbeit in der Beratung ziehe ich oft den Vergleich mit einem Sportwettkampf: Jedem ist klar, dass man ohne Training (regelmäßiges Lernen), gezielte Vorbereitung, indem man sich mit dem Gegner und dem Wettkampfumfeld vertraut macht (Visualisierung und möglichst genaue Kenntnis der Prüfung) und gute Körper- und Psychohygiene in den Tagen vor der Herausforderung (Schlaf, Ernährung, Entspannung) keine gute Leistung erzielen kann. Einem Athleten käme es niemals in den Sinn, vor einem Wettkampf literweise Kaffee zu trinken, nichts mehr zu essen und die Nächte vor dem grossen Wettkampf durchzutrainieren. Doch Stress führt oft dazu, dass wir irrational handeln: nicht das Ziel steht mehr im Vordergrund, sondern wie wir die Angst in den Griff bekommen. Brauchen Sie ein Beispiel? Lesen Sie den gleichen Absatz zehnmal im Glauben durch, dass Sie ihn sich so besser merken können…

Der zweite Aspekt von Stress  liegt in unseren Emotionen. Stress widerspiegelt unser Gefühl des Versagens. Akademisches Lernen und Forschung ist immer wieder anders, neu und ohne Routine – so steigt das negativ wahrgenommene Risiko, etwas nicht zu beherrschen und zu versagen. Diese Versagensgefühle sind allgegenwärtig und wir fürchten uns davor, dass jemand all unsere Wissenslücken entdeckt, die wir nun jahrelang erfolgreich versteckt haben. Dieses Gefühl führt zu einer Bewältigungsstrategie, das den Stress paradoxerweise nur noch fördert: Prokrastination oder Perfektionismus. Und wenn wir, trotz all unserem Stress und unseren damit gekoppelten Gefühlen, bei einer Prüfung oder Arbeit erfolgreich sind, begeben wir uns in einen Teufelskreis. Gedanken wie „Ich hatte einfach nur Glück!“ und „Ich muss halt mehr arbeiten als andere, um erfolgreich zu sein!“ verstärken das Gefühl, von sich aus nicht über genügend Kompetenzen zu verfügen.

Der dritte Aspekt von Stress ist die Auswirkung auf unser Sozialleben, insbesondere die Schwierigkeit des Alleinseins. Durch die heutige gesellschaftliche Unruhe ist unsere Beziehungsautonomie verletzlicher geworden. Viele der Studierenden, die zu uns in die Beratung kommen, haben sehr gute Sozialkompetenzen, fühlen sich aber überfordert, wenn Sie beim Lernen oder beim Schreiben einer Arbeit nur mit sich selbst konfrontiert sind. Sie haben das Gefühl, nicht normal zu sein und greifen mit einer Ängstlichkeit dem Geschehen vor, etwa mit Gedanken wie „Ich schaffe das nicht und ich werde das niemals schaffen!“. Diese Gefühle werden oft noch durch die Tatsache verstärkt, dass im Gespräch mit Mitmenschen diese ihr Gefühl banalisieren, sie daran erinnern, dass sie brillant sind, sich keine Sorgen machen sollen, ihre Bedenken irrational sind usw. – doch dies schürt nur wieder das oben beschriebene Gefühl des Versagens.

Stress ist also ein multiples Konzept mit biologischen, emotionalen und beziehungstechnischen Auswirkungen, das wir bei unserer Arbeit in der psychologischen  Studierendenberatung sehr häufig antreffen. Fakt ist: Studieren und Forschen SIND stressig. Es geht nun darum, effiziente Strategien zu erlernen, wie man diesen Stress erfolgreich bewältigen und aus dem Stress-Teufelskreis entkommen kann.