Publikationsdatum01.03.2012

Herztod zu Randzeiten


Der plötzliche Herztod aufgrund von Herzrhythmusstörungen ist einer der Hauptgründe für die Sterblichkeit von Herzkranken weltweit. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, am plötzlichen Herztod zu sterben tageszeitabhängig, wie Forschende der Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der Case Western University in Cleveland herausgefunden haben. Die Resultate wurden im Fachmagazin Nature publiziert.


(Foto: Thinkstock)

Ist die innere Uhr aus dem Lot, kommt das Herz aus dem Takt. Unser Herzrhythmus verändert sich innerhalb der 24 Stunden eines Tages und einer Nacht ständig, gesteuert wird er durch die innere Uhr. Diese bereitet das Herz und den Körper morgens auf das Aufstehen sowie abends auf das Zubettgehen vor. Wird diese an die Tageszeit angepasste Koordination aber gestört, kann es zu Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Falle zum plötzlichen Herztod kommen – mit einer klaren Tendenz am Morgen nach dem Aufstehen und in den Abendstunden. Prof. Urs Albrecht und Doktorassistent Jürgen Ripperger des Departementes für Biologie der Universität Freiburg haben nun gemeinsam mit einem Forschungsteam unter Prof. Mukesh Jain der Case Western University in Cleveland untersucht, wie der Herzrhythmus von der inneren Uhr beeinflusst wird.

Es zeigte sich, dass die innere Uhr die rhythmische Produktion eines Kaliumkanals in Herzzellen reguliert. Dieser Kaliumkanal ist wichtig für die Erzeugung eines Impulses damit das Herz rhythmisch schlagen kann. Hat es zu viele oder zu wenige von diesen Kaliumkanälen in den Herzzellen, treten Herzrhythmusstörungen auf, was zum Tod führen kann. Damit ergibt sich ein kausaler Zusammenhang zwischen der inneren Uhr und potentiell fatalen Herzrhythmusstörungen durch die rhythmische Bildung des Kaliumkanals.

Wertvolle innere Uhr
Die Beobachtungen der Wissenschaftler könnten weit reichende Konsequenzen für die Herzforschung haben. Mit zunehmendem Alter wird unsere innere Uhr schwächer, genauso wie die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, an plötzlichem Herztod zu sterben. Es gilt nun zu untersuchen, ob das Einpflanzen einer "jungen" inneren Uhr, d.h. von Genen eines jungen Organismus, in altes Herzgewebe die Gefahr des plötzlichen Herztodes im Alter reduzieren würde. Als einfachere Alternative zur „Reparatur“ der inneren Uhr lohnt es sich, seinen Lebenswandel zu überdenken: Regelmässige Mahlzeiten, geregelte Schlafenszeiten und häufige Aufenthalte und Aktivitäten im Freien wirken sich günstig auf die Stabilität und Stärke der inneren Uhr aus und schmälern damit das Risiko an einer Herzarrhythmie zu sterben.

Kontakt:
Urs Albrecht, Departement für Biologie, 026 300 86 36, urs.albrecht@unifr.ch
Jürgen Ripperger, Departement für Biologie, 026 300 86 74, juergenalexandereduard.ripperger@unifr.ch

Link zur Publikation: http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/pdf/nature10852.pdf